Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 58)
- Language
- German
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20 geschick kann sich der Jude nur als Kind der Sünde denken, als Vergeltung für den Frevel, am Familienheiligthum begangen. Noe, der Vater des Menschengeschlechtes, so erzählt die jüdische Urgeschichte, hatte drei Söhne, Brüder, gleichberechtiget, bis der braunrvthe Cham mit sträflicher Hand das Familienrecht gekränkt, darum ward er samilienlos, d. i. der erste Sclave in der Welt. Doch der Mensch sündigt nicht, er irrt nur wahnbefangen, lehren die jüdischen Weisen, und der zartsinnige Hebräer vergaß nie den Bruder über dem Sclaven. Seine Sprache hat für schimpfliche Leibeigenschaft keine entehrende Bezeichnung; es heißt der Sclave nur Ebed, d. i. Arbeiter; die Arbeit aber war so ehrend in des Urjuden Augen, daß er den größten Mann, den je die Welt für ihn getragen, auch nur einen Ebed Gottes nennt. Wie die ganze Familie Mischpacha, Ur- und Anwuchs, so heißt die Sklavin Schipcha, d. i. Zuwachs — fremdes Element, das dem gesunden Familienorganismus einverleibt, in eigen Fleisch und Blut verwandelt wird, daß der Geist der Duldung wie ein Frühlingsodem in die eingesetzten Reiser fahre. So findet cs der erste jüdische Erzvater ganz natürlich, daß ihn sein Oberknecht in Ermanglung eigener Kinder dereinst beerbe, und die Erzmütter sind nicht verletzt, wenn, wo die Natur ihnen selbst die Fähigkeit versagt, Mägde sie in ihrem heiligsten Rechte vertreten. Den Tod der dienenden Amme Debora zu verzeichnen, und den Namen dieser zu verewige», nimmt des Volkes heiligste Urkunde keinen Anstand, und noch die späten Enkel, schon des Landes Herren, ehren die »Klageeiche«, die das Grab jener Sklavin beschattet. Scheschan hält es nicht für schimpflich seinen Knecht Jarcha zum Eidam und Stammhalter zu erheben, und die jüdische Spruchwcisheit hält es für »vthwendig, vor Verzärtelung der Sclaven wie vor Verwöhnung der eigenen Kinder zu warnen. Der Dichter des Buches Hiob konnte sich gestatten, Brotherren, die »von Hungrigen die Garbe tragen, von Dur-