Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1859-01-01 · Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 5 (sequence 43)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2609281-2609292--4099-2611446
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Kümmerlich ernährte er sich indeß anfangs in Malaga von einem kleinen Kram. Seine Armuth hinderte ihn aber nicht an literarischer Thätigkeit. Ein lebhafter Federkrieg war nämlich damals um die Regeln der hebräischen Grammatik allsgebrochen. Ein junger Mann, ebenfalls aus Cordova und wegen des Bürgerkrieges nach Saragossa ausgewandert, hatte ganz neue Gesichtspuncte für den Bau der heiligen Sprache aufgestellt und dadurch Chajug's Verdienste, wenn auch unwillkürlich, verdunkelt. Es war dieses Jona (Mervan) Jbn-G'annach, der gründlichste Kenner des hebräischen Sprachschatzes, dessen Gesichtspuncte noch heute, bei fortgeschrittener Linguistik, ihre Richtigkeit behaupten. Samuel Jbn- Nagrela sah aber in Jbn-G'annachs Polemik gegen seinen Meister Chajug' eine geflissentliche Schmälerung seiner Verdienste und nahm sich dessen mit allem Eifer an. Er schrieb kleine Pamphlets gegen Jbn-G'annach in ernstem und ironischem Style und forderte diesen zur Entgegnung heraus. So theuer war diesen Männern die heilige Sprache, daß sie um dürre grammatische Regeln mit einer Leidenschaftlichkeit kämpften, wie auf anderem Gebiete um kirchliche Dogmen. Jbn-Nagrälaverfaßte zwanzig kleine grammatischeArbeiten, die aber, weil von Jbn-G'annach überflügelt, ein Raub der Zeit wurden. Er war, obwohl Gprachenkenner, dennoch kein Grammatiker. Ein Zufall versetzte ihn aus dieser literarischen Beschäftigung und aus seiner dürftigen Lage in den politischen Gesichtskreis. Sein Kram befand sich nämlich neben dem Palaste des granadischen Vefirs Abulkasim, welcher die rechte Hand des Königs Habus war. Abulkasims Haushälterin, die öfter ihrem Herrn Bericht erstattete, ließ sich die Briefe von Samuel schreiben und gab ihm Gelegenheit, dessen schönen arabischen Styl und zierliche Handschrift zu bewundern. Sobald Abulkasim den Namen des Schreibers erfuhr, lud er ihn zu sich nach Granada ein und bot ihm Wohnung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.