Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 44)
- Language
- German
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6 in seinem Palaste an. Samuel wurde auf diese Weise Geheimschreiber des Vefirs (um 1025). Bald bemerkte Abulkastm an ihm, daß er nicht blos ein guter Stylist und Schönschreiber, sondern auch ' ein helldenkender Kopf war, der die politischen Verwicklungen aus der pyrenäischen Halbinsel mit richtigem Blicke betrachtete und treffliche Rathschläge zu ertheilen wußte. Von diesem Augenblick an unternahm der mohammedanische Vesir nichts in Staatsangelegenheiten, ohne sich vorher mit seinem jüdischen Geheimschreiber zu besprechen, und Samuels Rathschläge bewährten sich immer durch den glücklichen Erfolg. Ta erkrankte Abnlkasim und der König Habus saß verzweifelt an seinem Bette und fragte ihn, wer ihn in der kritischen Lage, in der sich sein Staat damals befand, mit Rath unterstützen sollte. Dtt Vesir empfahl ihm aufs Dringlichste seinen jüdischen Geheimschreiber und war so gerecht, aus seinem Todtenbette einzugestehen, daß die guten Rathschläge, die er ihm seit einer Reihe von Jahren ertheilt hatte, Samuels Eingebungen waren. Habus, der als Berber keine eingewurzelten Vorurtheile gegen Juden hatte und eines tüchtigen Kopfes in der kritischen Lage bedurfte, nahm keinen Anstand, Samuel Jbn-Nagrela als Staatsminister und Vesir (Katib, Nagid) zu ernennen und ihm Wohnungen in seinem Palaste einzuräumen (1027). Der Krämer von Malaga, der Talmudjünger R. Chanochs, leitete seit dieser Zeit beinahe dreißig Jahre die diplomatischen und kriegerischen Angelegenheiten des Königreiches Granada. Der König Habus hatte diese Wahl nicht zu bereuen. Die Staatsangelegenheiten gediehen unter der Leitung des einsichtsvollen und thätigen jüdischen Besirs. Durch seinen edlen Charactcr und seinen Hellen Geist wußte Samuel Jbn-Ragröla die Launenhaftigkeit des orientalischen Herrschers abzuleiten und die Vorurrheile der mohammedanischen Bevölkerung gegen einen jüdischen Minister zu entwaffnen. Seine Weisheit und tiefe Frömmigkeit bewahrte