Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 309 (sequence 353)
- Language
- German
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309 Ein Erlaß der mährischen Statthalterei betrifft die Stellung der Rabbiner zu den Volksschulen. Letztere werden der nämlichen Aussicht unterzogen, welcher die katholischen Volksschulen unterliegen, ohne daß die Rabbiner dabei einen Einfluß zu üben hätten. Den Cultusvorständen bleibt anheimgestcllt, in wie fern der Rabbiner sich an dem Religionsunterrichte zu betheiligen habe. Die Bildung eigener israelitischer Cultusgemeinden auf dem flachen Lande wurde durch einen Erlaß der niederösterreichischen Statthalterei vom 28. April 1857 untersagt. Es würde nämlich — heißt es darin — mit einer derartigen Bewilligung der Frage des Aufenthaltes der Israeliten auf dem flachen Lande vorgegriffen werden, während diese Frage erst mit der Entscheidung über die staatsbürgerlichen Verhältnisse derselben ihre definitive Erledigung finden wird. Den Israeliten in Krems, so wie in St. Polten, welche bereits im Besitze von Bethäusern sind, und Rabbiner ausgenommen haben, ist die Benützung dieser Cultusanstalten provisorisch zu überlassen, ohne sie aus diesem Anlässe zur Bildung eigener Cultusgemeinden zu ermächtigen, und die einzelnen Jsraelitenfamilien des Cultusverbandes, dem sie angehören, zu entbinden. In den übrigen Orten auf dem flachen Lande, wo Israeliten sich aufhalten, kann israelitischen Familienhäuptern gestattet werden, einen häuslichen Gottesdienst unter Aufstellung der Tora abzuhalten, auch haben sie für den Religionsunterricht der Jugend durch befugte Privatlehrer zu sorgen, und wo sie in größerer Menge beisammen wohnen, israelitische Privat-Religionsschulen in's Leben zu rufen. Die Zuweisung der auf dem flachen Lande in Niederösterreich sich aushaltenden Israeliten, welche bereits die politische Zuständigkeit zu einer Gemeinde in Oesterreich erlangt haben, zu der israelitischen Cnltusgemeinde in Wien hat nicht statt zu finden, llebrigens steht es jedem auf dem flachen Lande in Niederösterreich sich aufhaltenden Israeliten, nicht nur den bereits zu einer öfter-