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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1858-01-01 · Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859) · p. Seite 266

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
Date
1858-01-01
Page
Seite 266 (sequence 310)
Language
German
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266 Endlich war es vorüber mit all dem Glanze, und ohne daß es hinüberdämmerte — Nacht. Eine Nacht im Oriente, aus der die Sterne näher und größer flackern; sie hängen zu freudigem Staunen zwischen den Palmenblättern, Lichtguirlanden, die ein Gott hinzieht, um ein ewiges Fest zu begehen. Ein sanfter Wind erhob sich und wiegte die Palmen und Lichter. Mein redseliger Gastfreund erzählte mir folgende schöne Legende: Es sind seit der Zeit hundert und zwölf Jahre verflossen, daß die sephardische Gemeinde in Jerusalem einen Meschulach, einen Sendboten, nach Mizraim schickte, um für die armen Glaubensbrüder in der heiligen Stadt Almosen zu sammeln. Es wurde der frömmste und wohlredendste Rabbi gewählt, um die Herzen der Brüder zu rühren und zu bewege». In Hebron schloß er sich einer Karavane an, die eben durch die Wüste nach Suez zu ziehen bereit war. Weil aber der Zug durch die Wüste zwölf bis vierzehn Tage dauert, und also ein Sabath dazwischen liegt, so bedingte der fromme Rabbi mit dem Schech der Karavane, daß sie am heiligen Tage ruhe. Der Schech nahm das Handgeld darauf und sie zogen, sich dem Schüße Gottes empfehlend, in das heiße Sandmeer. Als am Freitage die Sonne dem Untergänge nahe war, und der Schech nach wiederholter Aufforderung des Rabbi nicht Halt machte und endlich erklärte, ohne Rast weiter zu ziehen; da fühlte der fromme Rabbi den tiefen Schmerz, da ihm nichts übrig blieb, als den Sabath zu entweihen und die Reise mit der Karavane fort? zuseßen, oder sich von ihr loszutrennen und allein den Schrecken und Gefahren der Wüste preiszugeben. Er aber dachte so: »Wenn ich allein durch die Wüste ziehe, so ist es möglich, daß ich das Leben einbüße; wenn ich aber den

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