Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 309)
- Language
- German
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265 Die Fran des Rabbi, ein blondes Weib aus Polen, brachte uns in Zucker eingekochte Trauben auf einer silbernen Tasse; von jenen Trauben, die noch heut zu Tage die Länge von zwei Schuh, deren Beeren die Größe von kleinen Taubeneiern erreichen, und nicht zweifeln lassen, daß die Kundschafter, wenn auch nicht einer außerordentlichen Schwere wegen, eine solche Traube auf einem Stabe tragen mußten, um sie wohlerhalten dem Volke zu bringen, damit sie Zeugniß von der Fruchtbarkeit des Landes gäbe. Solche Trauben und die Granatäpfel Palästinas waren wohl geeignet, von prophetischen Dichtern als Symbole der Fruchtbarkeit genannt und von den poetischen Baumeistern häufig aus Stein gemeißelt an Palästen angebracht zu werden. Als wir, nicht ohne früher das kurze Gebet vor dem Genüsse einer Speise gesprochen zu haben, von den Trauben genommen hatten, reichte uns die Hausfrau trefflichen Kaffee in jenen kleinen silbernen Bccherchen, wie sie im Morgenlande üblich sind, und endlich den Tschibuk, indem sie die rechte Hand an Herz und Stirne grüßend legte; welche schöne Sitte des Morgenlandes sie angenommen hatte. Der Rabbi erzählte mir von dem Leben der Gegenwart in Hebron, von seinen Träumen und Hoffnungen auf den Meschiach, der nunmehr bald kommen müsse, denn es treffen manche Zeichen in der Welt schon ein. Ich hörte fast nur die Laute seiner Reden, denn meine Augen sahen dem glorreichen Schauspiele, zu, das der Sonnenuntergang immer im Morgenlande bietet. Die rothen Lichter und die breiten, violetten Schatten, die sich schärfer zeichnenden Umrisse der Gebirge und der Bäume, die wcißglühende Scheibe der Sonne selbst ist das schönste Wunder des wunderreichen Orients; sie sind der Zauber, der sich als unsterbliche Erinnerung um die Seele legt für asie künftigen Lebeustage.