Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 233)
- Language
- German
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189 aber noch grauenhafter klang der Ton, den der Lehrer in die Worte legte, als er mit einem Male sagte: »Sali, Du hast einen Mord begangen, einen unverzeihlichen Mord! « »Ich?« stammelte das unglückliche Mädchen, und die Feder, die gerade mit dem Schwünge eines prächtigen »P« beschäftigt war, erlahmte und malte eine schreckliche Fratze hin, vor der Julius Arnsteiner, wenn er nicht zum Glücke von ihr abgewandt gewesen, graue Haare bekommen hätte. Der Lehrer weidete sich mit seinem starren, gefühllosen Auge an dem Schrecken seiner Schülerin; nicht ein Muskel bewegte sich in seinem Gesichte gegenüber dem Opfer seiner Anklage; er war, als säße er über Leben und Tod, und der nächste Moment könnte eines von beiden über seine Lippen bringen. »Ja, einen Mord,« wiederholte er langsam, »ich kann es nicht anders nenne».« »Ich, Herr Arnsteiner?« rief das Mädchen weinerlich und sah ihn mit einem flehentlichen Blicke an. Der Lehrer mochte jetzt ein menschliches Rühren empfinden, seine Züge wurden weicher, gewissermaßen flüssiger. »Wenn ich von einem Morde spreche,« sagte er, und jedes Wort war gewiegt und gewogen, »so meine ich darunter keinen leiblichen, sondern einen Gedankenmord, den Du dadurch an mir begingest, daß Du mich gerade in einem Momente, als ich eine meiner schönsten Ideen dem Papiere anvertrauen wollte, mit deiner Frage wegen eines einfältigen Buchstabens störtest. Was ist aber daS schönste P, und wäre es selbst von einen Kalligraphen geschrieben, gegen einen gemordeten schönen Gedanken?« »Ich soll so etwas gethan haben, Herr Arnsteiner?« klagte das Mädchen und richtete thränenfeuchte Auge» — und es waren