Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 232)
- Language
- German
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188 lyse der so schwierigen Participialconstruction kein Zweiter gleich kommt, und daß ich mit vielleicht fünfzig Schülern und Schülerinnen den unsterblichen Telemaque von dem berühmten Fenelon durchgelernt habe, wenn man das nicht in mir achtet, was an mir das Beste ist, nämlich meine Bildung? Laß mich heute zu deinem Baker Lazar Winterfeld kommen und zu ihm reden, wie Marquis Posa zum König Philipp geredet hat: Lazar Winterfeld, geben Sie mir Ihre Tochter! (Im Urtexte heißt es aber bekanntlich: Gedankenfreiheit.) Was möchte mein König Philipp, dein Baker, zu mir sagen?« »O Sidonia!« Lustige Strahlen warf die Sonne um diesen Augenblick, in welchem ein Menschenkind solcke trübselige Dinge in ein Tagebuch schrieb, gleichsam zum Hohne, in die Lehr- und Wohnstube des uns wohlbekannten Herrn Julius Arnsteiner. Er aber merkte nichts von ihnen und schrieb fort; in rasender Eile flog der Gänsekiel (Herr Arnsteiner bediente sich nie der »schriftverderbenden« Stahlfeder) über das ungeduldige Papier, und hätte so fortgerast, wenn nicht gerade bei dem letzten Ausrufe »o Sidonia« eine Stimme aus der Ecke der Stube erschollen wäre: »Herr Arnsteiner, ich glaube, jetzt werden Sie mit meinem .P« vollkommen zufrieden sein.« Der Lehrer schaute auf; wirr flogen seine Blicke von einem Ende der Stube bis zum andern, bis sie endlich auf einem an dem Tische zusammengebückt sitzenden etwa siebzehnjährigen Mädchen haften blieben, dessen Geschäft darin bestand, auf einen großen Bogen Papier nichts als »P«, wahrhaftig nichts Anderes als »P« hinzumalen. Es war ein fürchterlich starrer Blick, in welchem dieses Erwachen aus einer grausam zertrümmerten Traumwelt sich sammelte,