Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 227)
- Language
- German
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183 Zur Notiz diene, daß in der Freistadt Krakau sich kein Pole um einen Schiller oder Goethe kümmerte. Zndeß waren im Ghetto schon hie und da »Deutsche« zu sehen. Es gehörte dies auch zu den Wagnissen, die einer neuen Richtung Bahn brechen sollten: sich deutsch zu kleiden. In Kurzem wuchs die Zahl dieser »Deutschgekleideten« so weit, daß sie eine kleine »deutsche Gemeinde« bilden konnten. Sie mietheten ein besonderes Letlocal, und führten einen Ehorgesang ein. Doch erhielt sich dasselbe nicht lange. In diese Bestrebungen mitten hinein kam das Zahr 1846.' — Im Augenblicke der Gefahr erging von Seiten der Polen an die Juden ein Aufruf: »Brüder Israeliten!« — Im letzten Todesröcheln, meinte einst ein Pole, hätten sie noch die Juden »Brüder« genannt. Thatsache ist's, daß sich der Zustand der Krakauer Juden seit dem Jahre 1846 unter österreichischer Regierung in jeder Hinsicht gebessert hat. Der Handel und Verkehr wurde gehoben, den Kaufleuten wurde erlaubt, mit ihren Handlungen das Ghetto zu verlassen, und in früher verbotene Theile der Stadt zu übersiedeln. Das Bürgerrecht, das zur Zeit der Freistadt nur wenige Begünstigte genossen, wurde bereits sehr vielen ertheilt, und so das Ankäufen der Häuserin christlichen Stadttheilen erleichtert.' Die Verbote, die zur Zeit der Freistadt dem Arbeiter jüdischer Handwerker in der »Stadt« hemmend entgegenstanden, wurden aufgehoben, und dieser Umstand verursachte einen außerordentlichen Aufschwung des Handwerkerstandes in kurzer Zeit — und zwar haben wir es nun mit geübten und tüchtigen Handwerkern zu thun.