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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1858-01-01 · Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859) · p. Seite 182

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
Date
1858-01-01
Page
Seite 182 (sequence 226)
Language
German
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182 Zndeß überlassen wir ihre politische Geschichte während der Zeit der Republik, so manche interessante Puncte sie auch bietet, etwa einem späteren Jahrgange dieses Buches, und kehren zu den inneren Verhältnissen zurück. Im Ghetto fing es an, nach und nach etwas Heller zu wer« den — hie und da fiel ein Sttahl von außen hinein. Bei dem fortwährenden Verkehre jüdischer Kaufleute mit dem Auslande, namentlich mit Deutschland; bei dem jährlich zweimaligen Reisen zur Leipziger Messe: konnte es nicht fehlen, daß nach und nach von der Mendelssohn'schen Bibelübersetzung angefangen, die, nebenbei bemerkt, in den Zwanzigerjahren einst von einem Kaufmanne in die Synagoge mitgenommen, große Aufregung verursachte, daß, sagen wir, von diesem Buche angesangen viele deutsche Werke in unser Ghetto kamen, und was noch mehr ist, freiere Gesinnungen und moderne Anschauungen sich zu verbreiten begannen. Hie und da wagte es schon einer von den weniger Orthodoxen, seinen Sohn bilden zu lassen — ja sogar in die öffentliche Schule zu schicken. Es war dies etwas Ungeheueres für jene Zeit, und daß manche Lernbegierige es nicht wagten, zeugt ein Beispiel, wo zwei Jünglinge, um zu studiren, nach Preußen flüchteten. In den Dreißiger- und Vierzigerjahren entstand endlich auch unter den Jüngern des Bethhamidrosch eine lebhafte geistige Regsamkeit — man begann »deutsch« zu lernen. Ein Zufall fügte es, daß ein jüdischer Kaufmann die Idee faßte, inmitten des Ghettos eine deutsch-französische Leihbibliothek anzulegen. Die ganz zerfetzten Exemplare von Schiller zeugen es noch heute, mit welcher Gier, mit welcher Wuth beinahe, die jüngere Generation sich namentlich aus diesen warf, welcher der erklärte Liebling unseres Ghettos ist, während es für Goethe keine Sympathien hat, und dessen Werke in besagter Bibliothek in gutem Stande beläßt.

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