Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 183)
- Language
- German
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pflegte, ist tobt; kein Geher und kein Reiter, keine Wagen und keine Rosse. Der schmale Fußsteig allein, der sich aus der nahe liegenden Stabt bis zu dem weiß umrahmten Gottesfelb, wo Leichen gesäet und Hoffnungen gepflanzt werben, hinzieht, trägt einiges Leben, — bas Leben des Todes! Dunkle Gruppen schreiten schweigend mit schwarzer Last — wieder ein Gast für die Mutter Erbe, die so Viele heimgcbeten! Es klirren keine Gelbbüchsen, es fordern keine Rufer zum Geben auf; wer geben kann, gibt jetzt willig genug, und ach, mancher laute Ruferist stumm geworben! Der Tob geht ohne Gepränge, ohne Gefolge, ohne Nachruf den letzten Gang; die Furcht staubt die Massen auseinander und der Schrecken hat alle Eeremonien niedergetreten. Urplötzlich bricht ein fremder, wilder Ton in's finstere Schweigen. Die Schnitter halten erschrocken in ihrer Arbeit inne, die stummen Bahrenträger schauen zurück — ein Zug wälzt sich mit wildem Lärm heran, Alles folgt, was Fanatismus und Aberglauben im Herzen trägt, was sich betäuben will, Alles was begierig ist im Wohnhose des Todes ein Bild des Lebens zu sehen. Und Musik jubelt d'rein, als gälte es die Gestorbenen alle aus dem schweren Schlaf zu wecken. Die Hochzeit ist es, die draußen auf dem Friedhofe gefeiert werden und die verheerende Seuche beschwören soll. Die Braut ist prächtig geschmückt und auch der Bräutigam geputzt, sie lächeln, die Unglücklichen, sie glauben ein gottgefällig Werk zu üben! Jetzt tritt der groteske Zug in's schwarze Thor, offen wie der Rachen eines gefräßigen Ungeheuers — die Musik schweigt, die Spieler hören, obschon weinerhitzt, unwillkürlich auf, an der Schwelle des Todes, wo Verwesung Blumen treibt und die Stauden und die Bäume in den Gebeinen ihrer Eltern wurzeln. Die tollste» Lärmer werden stille Angesichts der vielen frisch geschaufelten Hügel, der vielen offenen Gräber, der vielen harrenden Lei-