Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 184)
- Language
- German
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i 40 chen und der vielen Jammergestalten, die ihren theuern Hingeschiedenen zur letzten Ruhestätte weinend nachgestiegen. Der geputzte Bräutigam lächelt nicht mehr und nicht die geschmückte Braut, denn die Wirklichkeit ist schrecklicher als das Bild! Die Chuppe wird aufgespannt und die heiligeHandlung beginnt. Wer hier jubeln wollte im Angefichte des Todes und des Schreckens beim besiegelten Bunde zweier Herzen? Die früher so lärmende Menge schweigt, wie der Ort, wie die Gräber zu ihren Füßen; sie drängt sich von Angst und Ahnung beschlichen näher an Einander und wissen nicht, die Unglücklichen, daß je dichter der Knäuel, je enger die Masse, desto größer die Gefahr. Was gäben Viele darum, nicht prahlerisch dem Zuge gefolgt zu sein! Die Ceremonie ist jetzt vorüber, die Mutter küßt ihre Tochter und der Vater umarmt seinen Eidam. Doch Hilst Himmel! Ihm ist sehr übel, denn er wankt — sein Gesicht färbt sich fahl — die Äugen sinken zusehends ein — ein Krampf bricht den armen Körper zusammen — armer Klausner! Du hast so Viele hinaustragen helfen auf dies Feld und ihnen hier nachgebetet in die offene Gruft, Du hast deine eigene Tochter furchtlos hinausgeführt und Dich nicht gescheuet einen so frohen Lag zwischen Gräbern zu begehen — dein Geschick hat Dich ereilt, Du starbst wie Du gelebt an heiliger Stätte, auf gemeinschaftlicher Erde, umgeben von menschlicher .Hilfe, die nicht helfen kann, die dort Dich nicht dem Elend und hier nicht dem Tode entreißen konnte. Fahre denn wohl, und wenn lange Jahre hingegangen, wenn deines Kindes Kind groß geworden und wieder die Seuche ihre Opfer würgt, führt dann dein Enkel vielleicht seinen Sohn auf den Friedhof hinaus zur Hochzeitsseier — denn der Aberglaube stirbt niemals aus!