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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1858-01-01 · Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859) · p. Seite 136

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
Date
1858-01-01
Page
Seite 136 (sequence 180)
Language
German
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IRI
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136 Grabe, geht er zum Hochzeitschmaus wie zur Leichenwacht. Er hat so viel Elend gesehen, er hat so viel Jammer gehört, er war oft Zeuge so vieler Thränen und so vielen Weh's, er sah so viele Menschen zuckend aus dem Leben scheiden, daß sein Herz nichts mehr ist als eine Scholle, in welche die Freude ihre Blumen pflanzen und der Schmerz seine Tobten beiten kann — daß seine Brust nichts ist als eine Kammer, die sich putzen läßt beim Feste und schwarz umhängen am Trauertag! Die Gebete sind es, die er überall hinträgt, will doch der Mensch leben, verlangen doch die Kinder Brot. Und Zeiten gibt es. in denen die Geschäfte dieses Mannes blühen! Wenn eine Seuche würgend kreist und schnell unter den Lebenden aufräumt — dann adjeu Klause und Foliant, da gibt's Arbeit, Arbeit! Da zögern die Sterbenden nicht und die Todtengräber sind schnell. In allen Häusern hört man Klagen und Gebete und überall ist der Mann der Klause der nothwendige Gast; seine Arbeit hier gethan, erwartet ihn eine gleich traurige im Nachbarhause. Wo die Seuche, der Arzt und der Jammer über die Schwelle treten, da tritt auch der Klausner ein, ihr steter Begleiter. Geld regnet es so zahlreich wie Thränen; der Mann könnte reich werden, wenn seine Familie weniger groß wäre. Ueberdies hat Rab Mendele eine erwachsene Tochter — Töchter wachsen schnell in den Augen frommer Eltern — eine vierzehnjährige Jungfrau, für die der Vater Heller zu Heller, Kreuzer zu Kreuzer sammeln muß, um das Kind an den Mann zu bringen. Wer heirathet heut zu Tage ohne Geld und wenn es selbst Rab Mendele's Tochter ist? Wie oft hat der arme Vater die Hände zum Himmel erhoben und die Mutter schlaflose Nächte hingeweint, als sie an die alternde Tochter dachten, die noch keinen Mann gefunden! »Sorg nicht, Gott wird helfen,« tröstete zuweilen der glaubensstarke Vater die Frau, als diese die Zukunft schwarz malte,

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