Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 179)
- Language
- German
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I 135 ber der Pharaone, aufgehäuft, und die jetzt wie uralte Mumien in den papiernen Katakomben ruhen. Als dieser Mann, gelb wie die Pergamentblätter vor ihm, grau wie der Himmel und welk wie das Blatt im Spätherbste, alt geworden vor der Zeit aus Mangel an Luft, Bewegung und Sonnenschein — als dieser Mann seine Eltern verlor und ihre Hinterlassenschaft, als er brotlos und hilflos dastand, da hat sich ihm die Thiire dieser Klause geöffnet, in der er einen Tag wie den andern beschaulich und erbaulich, betend und duldend, lebt, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in trüben und heitern Tagen, in bittern und fröhlichen Stunden. Das stets offene Gotteshaus nahm ihn auf mit all seinem Elend und die Pietät der täglichen Beter streute ihre Brosamen in die Hand des armen Mannes, der Kadisch sagt für die Tobten und Psalmen für die Sterbenden, ein Lächeln hat für den Frohen und ein Trostwort für den Betrübten. Bei allen Anlässen, bei denen der Christ die Glocke zieht und der Jude das Licht anzündet, wird der Klausner gerufen; der Fromme kömmt zu ihm und auch der Aufgeklärte, denn in Stunden der Noth kehren sich alle Menschen mit gleicher Aengstlichkeit dem Glauben zu. So oft im Schoosie einer Familie eine Krankheit erscheint und ein Leben bedroht, wenn der Arzt resignirt und die Lieben weinen, wird dieser Mann gedungen Psalmen zu singen und Gebete zu sagen, auf daß die göttliche Gnade das Unglück vom Hause abwende. Und ist der Schlag gefallen und hat die Knochenhand des Todes ein theures Haupt gemäht, so wird wieder an dem Strange dieser Glocke gezerrt, so muß der Klausner bei der Leiche betend wachen und für die Ruhe der Heimgegangenen Seele den Himmel stürmen! Er betet an der Wiege des neugebornen Kindes, das kaum die Augen dem Lichte öffnete, wie am Bette des Sterbenden, der sie dem Lichte schließt; mit demselben Gleichmuth, mit dem er an die Wiege tritt, steht er am srischgeschaufelten