Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 178)
- Language
- German
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134 magnetische Kraft besitze». Zn der Truhe war kein Geld, im Hanse kein Brot, im Ofen kein Holz, der Schnee schlug an die Scheiben, der Wind heulte im Kamine, Mendel, sein Weib und seine Kleinen zitterten vor Frost und Hunger — er aber, er sagt kein Wort, daß das Weib geifere, daß die Kinder schreie», der fromme Mann zuckt mit den Achseln, »was Gott thut ist wohl gethan,« spricht er und geht. Wohin? In die Klause, wo die Armuth und die Frömmigkeit, die Entsagung und das Gottvertrauen wohnen; wo die Pietät die Durstigen aufsucht, wenn sie Wohlthaten in der Stille ausüben will; wohin das gottfürchtende Glück seinen lauten Dank und das Unglück seinen stillen Schmerz trägt, und wo Jene ihr Leben hinbeten, die in der Welt nichts zu suchen und nichts zu verlieren haben! Der Gottesdienst ist zu Ende, heim wallten die Beter und still und leer ist's im Gotteshaus, wo eben noch hundert Kehlen laut ihre Morgengebete in den Himmel riefen. Die Lichter sind heruntergebrannt, die den heimgeschtedenen Seelen Tag und Nacht brennen, oder nur mit trübem Scheine den Jahrestag ihres Todes feiern. Ständer und Bänke stehen in einander geschoben, die Besucher, die da waren, sind eben so eilig gegangen, als sie eilig kamen, ihre Gebete zu verrichten; denn für alle hat die Zeit einen Werth und eine Flucht. Nur Einer sitzt da, für den sie beides nicht hat, der Einzige, der aus der enteilenden Menge zurückblieb und Aug'und Sinn in ein gewaltiges Buch vergräbt. Die verrinnende Zeit, die entflohenen Beter, Weib und Kind daheim, die Sorgen des Lebens, Alles ist vergessen. Was gehet ihn, den Klausner, die Welt an, die draußen kocht und braust und siedet wie im Hexenkessel? was gehen ihn die Leute an, die emsig an den Maschinen arbeiten und sie mit ihrem Blut treiben? Sein Herz ist Gott geweiht und sein Geist den Lehren, die Jahrhunderte in diesem Buche, älter und unvergänglicher als die Krä-