Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1858-01-01 · Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859) · p. Seite 102

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
Date
1858-01-01
Page
Seite 102 (sequence 146)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2609281-2609290--3806-2611152
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

102 wurde als Prophet anerkannt, und die Häuptlinge der exilirten Familien »die Alten Israels« kamen zu ihm und befragten ihn über die Zukunft. Da eröffnete er ihnen, daß er von Gott angewiesen sei, denjenigen, die noch das Götzenthum im Herzen haben und von ihrer Unsittlichkeit nicht lassen, nicht Rede zu stehen. Zm Allgemeinen sprach er sich aus: »Wenn Gott seine vier Strafgerichte, Schwert,Hunger, wilde Thiere und Seuche, über ein treuloses Land verhänge, so werden nur die Gerechten gleich Noah, Daniel und Zob gerettet werden, nicht aber ihre Söhne und Töchter, wenn sie nicht ihren Vätern gleichen, lieber Jerusalem werden aber sämmtliche vier Strafgerichte kommen, und wenn die Exulanten den unglücklichen Ausgang sehen werden, so werden sie ihre Unthaten bereuen, das Böse ablegen und sich zu Gott wenden.« Unübertrefflich meisterhaft ist die Schilderung Israels vom Augenblick seiner Dolkswerdung bis auf die entartete Gestalt in der damaligen Gegenwart. Ezechiel stellt Israel unter dem Bilde eines von Geburt an verlassenen weiblichen Kindes dar, dessen Vater ein Emoriter und dessen Mutter eine Chittiterin war. Das Mädchen war nngebadet und ungepflegt im Augenblick der Geburt aufs Feld geworfen. Da zog der Herr vorüber und sah es zappelnd im Blute und sprach zu ihm: »Im Blute lebe.« Er ließ es wie die Blumen des Feldes ausschießen, gab ihm den Liebreiz der Jungfrau und bekleidete dessen Nacktheit. Als die Jungfrau für Liebe reif war, ging er ein Ehebündniß mit ihr ein, gab ihr Prachtgewändcr und Schmuck, erhöhte ihre Schönheit und machte sie des Diadems würdig. Da wurde das Weib in seinem Glanze übermüthig und eingebildet auf seine Schönheit, trieb mit aller Welt Buhlerei, verschenkte die Gaben, die es vom Ehegatten empfangen hatte, und opferte sogar die Kinder, die es ihm geboren, den Buhlen ihrer Lust, — Man kann von ihr sagen, daß sie die Tochter ihrer Mutter sei (der Chittiterin), ja sie ist noch schlimmer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.