Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 145)
- Language
- German
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101 Erschütternd wirkte das prophetische Gesicht, das Ezechiel über das Blutbad, dessen Jerusalem gewärtig sei, schilderte, als sich die judäischeHauptstadt noch in Träumen von Unabhängigkeit undWohlergehen wiegte. Nachdem er den scheußlichen Götzencultus, der unter verschiedenen Gestalten im Tempelbetrieben wurde, lebhaft ausgemalt, den er, »im Geiste zwischen Himmel und Erde nach Jerusalem versetzt, geschaut,« erzählte er, wie er Gottes Auftrag vernommen habe, den er sieben Dienern ertheilte. Sechs Boten waren mit Zerstörungswerkzeugen versehen, der siebente aber, in Linnen gekleidet, führte Schreibmaterialien bei sich. Dieser Bote war beauftragt, Jerusalem zu durchziehen, um ein Zeichen zu machen auf die Stirne aller derer, »die da seufzen und stöhnen über die täglichen Gräuel.« Die sechs Zerstörungsboten sollten jenem nachgehen und schonungslos alle diejenigen niedermachen, die das Rettungszeichen nicht an der Stirne tragen. Greise, Jungfrauen, Kinder, Weiber und vom Tempel an (mit den Priestern) sollten sie den Anfang machen. — Bon den falschen Propheten, die immer vom Frieden sprachen, gebrauchte Ezechiel einen ganz treffenden Ausdruck: »Eine schwanke Mauer überstreichen sie mit Tünche, da kommt ein Platzregen, Hagelsteine stürzen nieder, der Sturmwind bricht los, da stürzt die Mauer ein, wo bleibt da eure Tünche!« Treffend und poetisch ist das Gleichniß von der Schwäche und dem hoffnungslosen Zustande Judäa's in einer Rede aus dem zweiten Jahr seiner prophetischen Wirksamkeit (591). »Was ist eine Weinrebe neben den Bäumen des Waldes? Kann man das Holz zu irgend einem Vau gebrauchen? Kann man es auch nur als Pflock brauchen, um ein Gefäß daran zu hängen? Und wenn dir Rebe noch dazu an beiden Enden im Feuer versengt ist, kann sie dann noch zu etwas verwendet werden? So find, die Bewohner Jerusalems!« Ezechiels Ernst und die Eindringlichkeit seiner Rede und Symbole machten bald auf die Gemeinde im Exil Eindruck, er