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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1858-01-01 · Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859) · p. Seite 97

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
Date
1858-01-01
Page
Seite 97 (sequence 141)
Language
German
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IRI
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97 brachte Ezechiel, wie kein Prophet vor ihm, eine nachhaltige Wirkung hervor. Er hat im Lande der Verbannung die Nation verjüngt und ihr den reichen Inhalt der Gotteslehre ins Herz gepflanzt. Seine Wirksamkeit erscheint um so bedeutsamer, wenn man sich vergegenwärtigt, daß ihm die Mittel mangelten, welche seine Vorgänger so nachhaltig unterstützten. Er konnte nicht im Mittelpunkte des Vaterlandes zur Gesammtheit des Volkes sprechen, wenn es sich bei gewissen Anlässen in Jerusalem als Einheit constituirte. Ihm fehlten die Tempelhallen als große Rednerbühne, wo jeder Stein die gesprochenen Worte tausendfach wiederhallte. Zn einem Winkel Mesopotamiens, an den Usern des Chaboras, in der Stadt Tel-Abib, wohin er mit vielen Andern exilirt worden war, hatte sein Wort keine größere Tragweite, als die kleine Gemeinde, in deren Mitte er lebte. Er war eine Stimme in der Wüste, die da rief: »Bahnet den Weg des Herrn.« In seinem dreißigsten Lebensjahre (592) fühlte sich Ezechiel zum Propheten berufen; aber Bedenken mancherlei Art verschlossen ihm Anfangs den Mund. Kann es einen Propheten außerhalb des heiligen Landes geben? Ist nicht der geheiligte Boden Judäa's allein dadurch bevorzugt, daß die göttliche Gnadenwaltung (Schechina) sich dort Männer erweckt und sie als Boten ihrer Sendung gebraucht? Ist die Stimme, die in dem fremden unheiligen Lande zum Verbannten auf dem einsamen Lager spricht, auch die wahrhafte Gottesstimme? Würde die Heimat ihn nicht als falschen Propheten brandmarken und mit Zidkija, Achab und Schemaja, dem Nachlamiten in eine Reihe stellen? Und zu wem sollte er sprechen? Sind die Tausende und Zehntausende im Exil die Nation? Würde es zu etwas frommen, selbst wenn diese durch das Wort sich zu Gott bekehren würden? Kann diese Sinnesänderung irgend einen Einfluß auf die Machthaber des Volkes in Judäa haben? Diese Bedenken bannte eine Erscheinung, die Ezechiel am Jahrb. f. J-r. 1838. 7

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