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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1858-01-01 · Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859) · p. Seite 96

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
Date
1858-01-01
Page
Seite 96 (sequence 140)
Language
German
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IRI
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96 lesmänner mit dem tiefen Gemüth und der beflügelten Rede. Der Prophet Ezechiel bildet den Schluß der vorexilischen Propheten und eröffnet die Reihe einer neuen Richtung; er ist die Ergänzung zu Jeremiah, und sein Wirken soll hier in dem engen Rahme» einer Skizze gezeichnet werden. Ezechiel, der Sohn Buffs, aus dem Priestergeschlechte, war in seiner Jugend gleich den edelsten Geschlechtern des Reiches Juda und mit dem König Jojachin aus Jerusalem in Gesanzenschaft geführt worden. Geboren in dem Jahre, als der fromme König Josias die Reformen einführte (622 der vorchristlichen Zeit) und Hoffnung auf eine wahrhafte Besserung an Haupt und Glieder» des Reiches erweckte, sah der Jüngling Ezechiel den traurigen Rückfall des Lölkes und der Großen in den Schlamm des Götzendienstes und der Unsittlichkeit und hörte die bald sanfte, bald donnernde Stimme des Propheten Jeremiah/ wie sie über Bundesbruch und schnöden Abfall predigte. An diesem Muster bildete sich Buffs Sohn zum Propheten. Ezechiel hatte ein klangreiches Organ und eine eindringliche Redeweise, so daß seine Worte, wie verhängnißvoli sie auch lauteten, den Zuhörern wie »Liebeslieder« klangen. Mit einer reichen Phantasie begabt, verstand er es seine Gedanken in treffende Bilder und Parabeln zu kleiden, und wenn er die dunkeln und unverstandenen Gleichnisse bis auf die kleinsten Züge aufiöste und deutete, waren die Zuhörer davon angenehm überrascht, und seine prophetische Rede senkte sich tief in die Gemüther und hiuterlicß einen dauernden Eindruck. Ezechielwar ein viel größerer Dichter als Jeremiah; seine Schilderungen sind voller Naturwahrheit und überraschender Großartigkeit. Nur das richtige Ebenmaß künstlerischer Abrundung, das Jesaia's Poesie so sehr ausgezeichnet, geht ihm ab. Seine Sprache ist oft matt und breit, sinkt zuweilen in die Prosa und streift nicht selten an das Derbe und Kecke an, aber an Bilderreichthum kömmt ihm Keiner gleich. Mit seinen Mitteln

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