Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 130)
- Language
- German
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86 sollte, der nicht philosophische Studien gemacht habe (allerhöchstes Decret vom 29. Jänner 1820) und im Mai des darauffolgenden Jahres den israelitischen Abgeordneten der lombardisch-venetianischen Gemeinden die kaiserliche Entschließung zur Aeußerung mitgetheilt wurde, erschien auch diesen das Project zur Gründung einer eigenen rabb. Pflanzschule beinahe unmöglich. Mit welcher Munificenz beeilten sich aber die Edeln unseres Volkes, die der Herr mit Reichthum gesegnet hatte, den Grund zu legen, ein eigenes, geräumiges Haus anzukaufen, es für seine künftige Bestimmung einzurichten und endlich das Jnslebentreten und den künftigen Bestand des Institutes zu ermöglichen. Der fabelhafte Reichthum der italienischen Juden ist eben nur Fabel; neben einigen Günstlingen des Glücks, die über Schätze verfügen sollen, gibt es in einigen der fünf Hauptgemeinden viel Wohlhabenheit, aber noch viel mehr Armuth, und diese in der abschreckendsten Gestalt. Dabei entfaltet der Jsraelite auf der apenninischen Halbinsel die angestammte Wohlthätigkeit in großartiger Weise. Ich nenne nur die Stiftungen Sam. Lrabotti in Mantua und Gius. -Ventura in Venedig. Es gibt keine größere Gemeinde in Oberitalien, die nicht einer guten Zahl ausgiebiger Legate aus früher» Zeiten sich zu rühmen hätte. Und es ist auch dieser Gemeinsinn, der bei jedem Anlaß, wo es sich um Wiffenschaft, Jugendunterricht und Armenunterstützung handelt, mit vollen Händen spendet, wahrhaft rühmenswerth, ja um so rühmenswerther, je mehr wir an dem italienischen Juden, der durch Gewerbfleiß, Eingezogenheit und — Knauserei sich bemerkbar zu machen pflegt, Sparsamkeit bis zur Ostentativn zu tadeln gewohnt sind. Hier ließen sie nur die schöne alte Maxime: »Gebt, wie euch Gott gegeben«, und in ihrem ganzen Umfange gelten; man nannte mir unter den Stiftern des Institutes solche Namen, welche nicht einmal zu den Handelsleuten dritten Ranges zählten, hier aber mit fürstlichen