Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 122)
- Language
- German
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78 nimmt Heilbutt zu Paris im Genre den ersten Platz ein. Unter den italienischen Malern wird Rafael Pontremoli aus Nizza namentlich in seinen letzten Productionen: »die Wächterinnen von Lende« und »Dasnis und Chlve« gerühmt. Unser gefeierter Landsmann Leopold Pollak in Rom hat soeben ein herrliches Bild — »die kosenden Sylphen« — vollendet. Das Porträtfach ist — wo die Kunst gezwungen wird nach Brot zu gehen, — natürlich auch .am zahlreichsten vertreten. Denn verhehlen wir es uns nicht: wie die Künstler, so sind auch die Kunstfreunde erst spät unter uns erstanden, und das Kunstmäcenat ist bei aller hervorragenden Bildung doch selbst unter den Begüterten nicht so häufig anzutreffen, als es der Fall sein könnte und sollte. Noch sehr vereinzelt stehen Stiftungen wie die des edlen Dichters Michel Beer (Bruder Meyerbeer's), welcher einen jährlichen Betrag von 50V Thalern sicher stellte,um einem jüdischen Künstler die vollendete Kunstausbildung in Rom zu gewähren. Wir wollen nicht unerwähnt lassen, daß auch in unserem Wien Stiftungen für jüdische Künstler testamentarisch errichtet worden sind. Namentlich stiftete die im Jahre 1854 zu Wien verstorbene Frau Fanny Jeitteles ein Capital von 6000 fl. zu einem Malerstipendium. Die Interessen sind an einen Jüngling jüdischer Religion, welcher sich der Malerei gewidmet und darin bereits hervorgethan hat, zu dem Zwecke zu verleihen, damit er sich inJtalien vollkommen ausbilden könne. Der Genuß dieses Stipendiums dauert drei Jahre.. Der einjährige Betrag ist jederzeit vorhinein bei der Abreise, die zwei weitern Jahresbeträge sind jährlich nach Einsendung eines glaubwürdigen Zeugnisses über entsprechende Verwendung des Stipendisten ihm zu übermachen. Hoffen wir, daß so schöne Beispiele sich Nachahmung erringen, aber wähnen wir nickt, daß damit schon alles gethan sei. Viel wichtiger erscheint es uns, daß der Sinn für Kunst sich bei den Reichen und Wohlhaben-