Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 123)
- Language
- German
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79 den mehr Eingang als bisher verschaffe, und daß der Luxus in Kunst mindestens ebenso seine Vertretung wie der in Kleidern und Möbeln finde. Die italienischen Juden sind hierin den andern voraus. Der Palazzo Treves zu Venedig ist wegen seiner Kunstschätze bekannt. Auch in den Häusern nur wohlhabender italienischer Juden sahen wir bei weit einfacherem Ameublement als inDeutschland viel auf Fresco- und Oelmalereien, aus Statuen und andere Gegenstände der Kunst verwendet. Wenn aber, wie ein neuerer Schriftsteller behauptet, Luxus und Kunst einander ausschließen sollten, *) dann kann die Wahl nicht zweifelhaft sein; dann wird und muß der schönere Kunstluxus den unedlen Kleider- und Möbelluxus immer mehr in den Hintergrund drängen; denn dieser wird uns nur immer zur zweifelhaften Geltung führen und solche Prunksucht ist nur allzu sehr geneigt, diejenigen, die ihr fröhnen, den Unbilden des Neides und der Mißgunst auszusetzen. Der Kunstluxus aber, indem er die edelsten Bestrebungen fördert, und von einer höher« Geschmacksrichtung Zeugniß gibt, gewährt uns rein menschliche Genüsse, und wenn wir denselben in der uns verstatteten Weise nachstreben, so werden sich uns damit gewiß nur erhöhte Sympathien zuwenden. Möge nun ein solcher Kunstluxus vor allem auch von echtem Kunstsinn geleitet sein, mögen dabei aber auch jüdische Kunst und jüdische Künstler in verdiente Berücksichtigung kommen! *) »Le luxe est le contraire de l’arfc et aboutit toujours a une deperdition de forces.« De la liberte de conscience par Jules Simon. Paris 1857, p. 62.