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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1858-01-01 · Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859) · p. Seite 76

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
Date
1858-01-01
Page
Seite 76 (sequence 120)
Language
German
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76 aber hierin noch sehr viel zu thun verbleibt. Warum es aber so lange an ausführenden Künstlern im Allgemeinen, an jüdischen Künstlern insbesondere gebrach, läßt sich wohl mit kurzen Worten erklären. Das sechzehnte und siebzehnte Jahrhundert waren nicht nur in großen Malern eigenthümlich productiv, sondern es wandte sich die Kunstbegeisterung dieser Zeit fast ausschließlich den plastischen Künsten zu, während es der Musik und Schauspielkunst selbst an Gelegenheit gebrach sich Lorbeer und Gold zu eigen zu machen. Won Fürsten geehrt, mit.Bestellungen überhäuft, vor Allem aber der jüdischen Anschauung fremd und fern stehend, wie hätte da der Begriff einer jüdischen Kunst zur Entfaltnng gelangen können? Was aber jüdische Künstler selbst betrifft, so dürfen wir doch nur die Juden der neuesten Zeit in Betracht ziehen, da ja erst ihnen die Möglichkeit geboten ward, plastische Künste zu erlernen und sich Meisterschaft darin zu erwerben. Gewiß aber bedurfte es eines starken Aufschwunges, um die Kluft, welche zwischen den langsam sich öffnenden Judenzwingcrn und den heitern Hallen der Kunst bestand, zu überschreiten. Konnte sich der poetische Genius an der Bibel, an den Sängern und Sehern einer geheiligten Zeit entzünden, weckten die alt überkommenen Weisen der Synagogen noch in ihrer Verzerrung den an allen unterdrückten Bolksstämmen leicht erregbaren Sinn für Musik, so stand hingegen das religiöse Bewußtsein des Juden, wie es ihn Jahrtausende hindurch in exclusiver Weise erfüllte, einer innigen Vertrautheit mit plastischen Künsten geradezu entgegen. In ihren herrlichsten Leistungen mußte er Symbole alter und neuer Religionen finden, die dem Dogma der seinigen entgegenstanden. Wo wir nun Religion und Kunst so sehr mit einander verschmolzen sehen, zeugt es nicht abermals von eigenthümlicher Geistesschärfe, wenn der jüdische Künstler den geistigen Scheidungsproceß in sich so rasch vollbrachte, um sich für die gemeißelten Götter Griechenlands und für Raphaelische Ma-

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