Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 118)
- Language
- German
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74 Einen alten Rabbi sieht man, »nachdem die Schule schon aus ist« noch lernen. Die Gemorah liegt vor ihm. Da führt ihm sein Sohn das Enkelchen zum Segnen (Benschen) hin. »Bei meinen »drei Ringen«, schreibt Pros. Oppenheim, »stellte ich nicht Jude, Christ und Muselmann dar, sondern Jude, Protestant und Katholik. Die beiden letztem disputiren, der Jude aber steht für sich und besieht als »Meiwin« (Kenner) mit Innigkeit seinen echten Ring. Im Hintergründe sieht man im Lichte den von Lessing bezeichneten Richterstuhl, worauf ich einen Palmzweig als Friedenszeichcn legte. An einer Tafel aus der jüdischen Seite liest man den schönen Spruch aus dem Psalm: »Gott ist nahe Allen, die ihn anrufen.« Für die Tafel aus der christlichen Seite wählte ich einen Spruch aus einem Briefe Pauli: »Richtet nicht, bis der Richter kommt.« Und das ist es was wir als jüdisches Bewußtsein in der Kunst oder mit einem Worte als jüdische Kunst bezeichnen. Unter den neuen französischen Malern find ebenfalls mehrere, welche diese Idee ausgefaßt und mit Erfolg durchgeführt haben. Darunter gehörten bei der vorjährigen Ausstellung Lämlein und seine »Vision des Propheten Zacharia« und in der diesjährigen mehrere sehr gelungene Handzeichnungen. Wir führen vor Allem die »salomonische Mauer« an. Jeden Freitag bevor der Sabbat eingeleitet wird, versammeln sich die jerusalemitischen Juden und die dahingezogenen jüdischen Pilger, um an der großen Mauer, welche ehedem den Tempel Salamo's stützte, zu beten. Der Berichterstatter (in fcenArchives israelites Sept. 1857) rühmt die Naturwahrheit dieses echt jüdischen Bildes und drückt den Wunsch aus, daß es photographirt und in Tausenden von Exemplaren verbreitet werden sollte. Beyer aus Straßburg hat die »Ermordung der Straßburger Juden« dargestellt. Im Jahre 1349, als die Pest ganz Europa verheerte, wurden die Juden beschuldigt die Brunnen ver-