Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 114)
- Language
- German
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70 denselben Stoff behandelt, entgegen hält. Die Gallerie Schönborn besitzt zwei Rembrandts, altbiblische berühmte Bilder des unübertroffenen Meisters im Helldunkel und in der naturwahren Auffassung. Die Gefangennehmung Simsons ist das Eine, und es läßt sich die Dalila, die Schere, womit sie den Helden seines Haarschmuckes beraubt hat, hoch empor haltend, nicht verkennen. Aber wo liegt in den unedlen, ja völlig gemeinen, von Scham und Schmerz durchwühlten Zügen des überwältigten Simson auch nur eine Spur seiner gewaltigen Zuversicht in Gott, die ihn späterhin Tausende von Philistern im eigenen Sturze begraben ließ? Das andere Bild ist die Tröstung Hagars in der Wüste. Da ist nun allerdings der tröstende Engel eine herrliche Lichtgestalt in jeglichem Sinne; aber Hagars Mutterschmerz ist nichts weniger als ein edler. Das zuletzt in den Kunstschätzen aufgenommene altbiblische Bild ist ein Murillo aus der gräflich Harrach'schen Gallerie: »Jacob und Esau.« Hier wollen wir den Erklärer des Bildes selbst reden lassen: »Der biblische und allbekannteGegenstand des Bildes ist freilich nicht im historischen oder im traditionell kirchlichen Style ausgefaßt, und man wird weit mehr an die gewöhnliche Natur, als an patriarchalische Hoheit gemahnt; allein die Kunst hat entschieden ihre zwei'Seiten, deren eine das rein Ideale, die andere aber den meisterhaften Bortrag in sich begreift; und bei Esteban Murillo muß man wie bei noch vielen andern trefflichen Meistern von einer ästetisch-archäologischen Kritik abgehen und seineProducte so hinnehmen, wie sie eben sind.« Kürzer, wenn derber, ließe sich über das sogenannte biblische Bild sagen, daß es die mit anerkannter Meisterschaft gemalten spanischen Gassenjungen eben nur unter einer andern Firma reproducirt. Unter 60—70 altbiblischen Bildern, welche die reichste Gallerie Deutschlands, die Dresdner, enthält, erheben sich nur wenige zu eigentlichen Zierden derselben. Den ersten Platz nimmt unstreitig das Opfer Abrahams von Andrea del Sarto