Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 113)
- Language
- German
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69 mias von Bendemann sind allerdings noch gar manche Werke der Kunst vorhanden, die in ihrer Wahl wie Behandlung den Begriff einer jüdischen Kunst zu versinnlichen vermöchten. Allein, nur der Stoffe zu gedenken, so erscheinen die weihevollen sehr in der Minderzahl gegen diejenigen, welchen man am allerwenigsten zutrauen kann religiöse Gefühle zu erwecken. So finden wir z. B. den wenig erbaulichen Borwurf von Loth und seinen Töchtern so sehr bevorzugt, daß ganz allein die Dresdner Gallerie sechs Bilder von großen Meistern in der Behandlung dieses Stoffes aufweist. Hier wie bei den kaum minder häufig vorkommenden Darstellungen der »Susanna im Bade«, »des Josephs und der Potiphare,« »des Davids und der Bethsabe« ist es in der Regel nicht schwer zu entscheiden, wem die Maler zu Gefallen malten, den Frommen oder den Kindern der Welt. l) Die Wiener Gallerten enthalten nicht gar viele Bilder, welche altbiblische Stoffe behandeln, und so hat auch ein schätzbares Compendium »die Kunstschätze Wiens« unter 100 auserwählten Bildern nur etwa 4—5 alttestamentarische ausgenommen. Da treffen wir nun zuerst — aus der Fürst Esterhazy'schen Gallerie — einen Dominichino: »David mit dem Schwerte Goliaths.« Wie! dieser nervigte Krieger, stolz mit der Feder geschmückt, ganz dem Selbstgefühl seiner Kraft hingegeben, das sollte der schwache Knabe sein, den nicht die Stärke des Leibes, den die Kraft der Idee zum Gottesstreiter erhebt? Unmöglich, und diese Mängel treten noch mehr hervor, wenn man unbeschadet des größer» Kunstwerthes des Dominichino das Bild des Pietro Del Becchio im k. k. Belvedere, das *) Im Rückblick auf das Schiller'sche Distichon: Wollt Ihr zugleich den Kindern der Welt und den Frommen gefallen, Malet die Wollust — nur malet den Teufel dazu.