Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 107)
- Language
- German
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63 anderer Spotten nicht zu gedenken, die zu empörend sind, ihrer in einem Familienbuche zu erwähnen. Ein Catechismusschmied hatte sogar die Frechheit, lästerliche Angriffe auf Synagogalbräuche die Schüler der untersten Classe auswendig lernen zu lassen, und wie lange blieb doch dieserPopanz der schwarze Peter, mit dem man die Jugend schreckte! Die Catechismen hemmten die eigene Fortbildung der Lehrer, die nach Anfertigung ihrer Hefte weiter keinen Ansprüchen zu genügen hatten, wie selbst jenen Vater der ungezogenen »Zionssöhne", dem man einst die Rolle aus der Tasche entwendet hatte, seine Weisheit in dem Augenblicke verließ, als er den Catheder besteigen wollte — »das Heft ist gestohlen, die Welt ist leer.« — Dank dem glorreichen Zepter Sr. Majestät unseres jetzt regierenden Kaisers und seiner erleuchteten Behörden, haben diese Uebelstände ihr Ende genommen; aber die Catechismen sind noch immer die Schmarotzerpflanzen, die von den Säften des Baumes zehren, den der Herr selber uns gepflanzt — des Baumes, der lebendig lehrt und macht. Ein österreichischer Knabe selbst des niedern Mittelstandes besucht durch zehn und beziehungsweise zwölf Jahre die Religiönsschule. Was ließe sich in diesem Zeiträume leisten, wenn die beste Zeit nicht von Phrasen aufgesogen würde, die den Kindern, wo sie sie lernen, noch nichts, und wo sie sie brauchen, schon nichts mehr sind; denn »das Beste, was Du weißt, kannst Du den Jungen doch nicht sagen,« d. h. in eine gründliche Religionsphilosophie könnt Ihr doch nicht eingehen, und das, was Ihr bietet, ist für die Jugend zu stark, für's reife Alter zu schwach. Die Catechismen mögen endlich für andere Bekenntnisse ein Bedürfniß sein, mindestens steht uns kein Recht zu, ein Urtheil zu fällen, wenn wir auch nicht verschweigen dürfen, daß sehr achtbare christliche Theologen der Neuzeit sich gegen dieselbe, und für die alleinige Verwendung der Bibel und Gebetbücher in den Schulen mit Wärme ausgesprochen haben. Aber mit dem Geiste des Judenthu-