Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 108)
- Language
- German
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64 mes stehen sie so gewiß im Widerspruche als mit der neuern Pädagogik, die von der dürren logischen Verständigkeit der früher« Jahrzehnte zurückgekommen ist, und auf lebendige Anschauung, Kenntniß des Besonder» und Aufhebung alles leeren Regelwerkes und Formelwesens dringt. Früher versprach man sich viel davon, die Religion in deutscher Sprache, d. h. die deutsche Sprache durch Religion zu lehren. Man wollte der Planlosigkeit des Cheders die Ordnung des Systems gegenüberstellen, und den Stall des Jargons durch sprachrichtige Religionsvorträge scheuern, und damals glaubte man noch zudem, die Logik und Grammatik seien der Schlüssel zumParadiese.Aber heut zu Tage, wo die moderne Methode selbst die hochverehrte Sprachlehre nicht mehr paragraphenweise vorträgt, sondern gelegentlich an gesunde schriftstellerische Erzeugnisse knüpft, und unsere Jugend einen mehrstündigen deutschen Unterricht in den verschiedenen Lehrfächern genießt — ist doch eine religiöse Sprachlehre nicht mehr nöthig, wo man vor Sprache zu keiner Lehre kommt. Wir geben endlich zu, daß für die nachbiblische Geschichte der Juden ein Lehrbuch bestehen müsse, und daß für eine letzte und oberste Nasse eine Uebersicht des gesammten Glaubensinhaltes unter Umständen nützlich werden könnte. Aber für die Bedürfnisse der religiösen und moralischen Bildung in Elementar- und Mittelschulen sind sie vom Uebel, und genügt, regelrecht unterrichtet, einzig und ausschließlich die Bibel. Wie der Unterricht darin praktisch zu handhaben sei, bleibt andern Darstellungen Vorbehalten. Die Katechismen aber sind die Wurst, die wurzweg abrasirt werden muß. Nachbemerkung des Verfassers. Daß die vorstehende Skizze aus Quellenstudien hervorgehe, und kein Phantasiestück sei, werden sachverständige Leser selbst erkennen.