Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 106)
- Language
- German
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62 1 migkeit gewesen, gingen zwei Männer hervor, die das Streben der Behörden, die Zudenverhältnisse zu regeln, in unwürdiger Weise für sich auszubeuten suchten. Der Eine, ein habsüchtiger Arzt, verlästerte die körperliche, der andere die moralische Gesundheit unseres Volkes. Jener ward nach Gebühr mit Indignation von der Behörde zurückgewiesen, dieser aber erlangte, in Folge der damaligen Tendenz nach festen Schulnormen, ein ausschließlich landesbefugtes Privilegium für seine süßlich-fade Salbaderei, die er Religionslehre nannte. Dieser Paragraphen-Fabrikant hatte nun die Grundbedingung des Judenthums bis in's Herz getroffen, und der Uebel, die daraus entstanden, waren nicht wenige. Wer wüßte es nicht, was die ungerathenen »Zionssöhne« jenes Ver- | fassers für Kobolde unter der Hand der Examinatoren wurden.! Ehrliche Lehrer bildeten sich an dem Definitionswesen zu Pedanten ' heran, und opferten der Wortklauberei das Judenthum, die unj ehrlichen etablirten ein Geschäft mit Fortgangsnoten, da der Prüsende nirgends so willkürlich schalten kann, als wo es sich weniger j um einen Inhalt als Ausdruck handelt. Die Rabbiner wurden! verlästert, die Massen verdächtiget, um jenen das Ansehen zu schmälern, diese zu bevormunden. Kam es doch dahin, daß selbst Rabbinen, jüdische Geistliche zur Erlangung der Heiratsbewilligung vor einer nicht-jüdischen Commission sich der Prüfung über Glaubenslehre unterziehen mußten, und zwar deshalb, weil das Judenthum durch den Catechismus vertreten, dieser aber so wenig jüdisch sein sollte, daß man selbst dem Rabbiner die Kenntniß desselben nicht zutraute! Was soll man von jenen tragisch-komischen Prüftingsscenen der Brautleute erzählen, die naturgetreu zu schildern, eine Satyre schreiben und die Schmach der Nation in Erinnerung bringen hieße? Hat man doch Beweise, daß Landschullehrer in freventlicher Absicht die ihnen anvertrauten Kinder in Unwissenheit ließen, damit sie zur Zeit der Heiratsfähigkeit sich besser rentiren,