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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1858-01-01 · Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859) · p. Seite 61

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
Date
1858-01-01
Page
Seite 61 (sequence 105)
Language
German
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IRI
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61 Wessely in edler Absicht als heilsame Kuhpvcken uns einzuimpsen meinte, ist zur verderblichen Pestbeule geworden. — Wie das Alles kam, ist leicht einzusehen: Eine religiöse Körperschaft, die keine Concilien und Synoden hat, die der schriftstellerischen Willkür entgegentreten können, welche keine über äußere Macht gebietende Geistlichkeit hat, noch haben will, und sich überall die Meinungsfreiheit wahrt, — bedarf irgend eines einenden Mittelpunctes, eines feststehenden Bodens. Dieser Boden war die Bibel, als das von Gott stammende Lehrbuch, das in sich alle Bürgschaft trägt. Wird aber jedem Schulmeisterlein gestaltet, sich nach Gutdünken ein Restmw zu ziehen, so muß es bald so viele Judenthümerchen als Hungerleider, d. i. Schullehrer, geben. In der Thal fuhr nun die schriftstellerische Eitelkeit als Zündstoff an die Cathedermännlein, und ward zur verheerenden Flamme für Bibel und hebräische Sprache, wobei wir nicht zu entscheiden wagen, wer mehr gelitten, ob das Judenthum durch die deutsche Sprache, ob diese durch jenes; denn der Grammatik und Orthographie wurden dabei gar blutige Schlachten geliefert. Die Schüler mußten diese Bücher kaufen, der Lehrer war somit Käufer und Verkäufer, Autor und Verleger, Kritiker und Publicum in einer Person, und ließ sich bei einer zweiten Auflage seines Buches die Meinung nicht mehr rauben, er habe das Judenthum erschaffen. Und die Judenthümer dieser Mache! Aus Adelung's Wörterbuch, Niemeyer's Vorträgen, aus katholischen und protestantischen Lehrbüchern wurden die Desinitionen zusammengesucht, und nun erwarteten die Verfasser getrosten Muthes ihre Unsterblichkeit. Weit gefährlicher aber wirkten diese Catechismen in jenen österreichischen Provinzen, wo die Regierung in gerechtem Streben „ nach einem gleichmäßigen Betriebe des Schulwesens auch auf jüdischem Gebiete der Willkür entgegentrat. Gerade aus jener Bierstadt, die vordem das österreichische Zion genannt, der Glanzstern jüdischer Gelehrsamkeit und Fröm-

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