Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 103)
- Language
- German
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5S lichung und Vertiefung, aber auch ein Einspinnen und Verpuppe» in die eigene Welt erzeugte — die Geschichte der Zuden hielt ihren tausendjährigen, thränenreichen Spätherbst. — Und die Schule — — doch wozu die Krankengeschichte eines Verstorbenen erzählen? wozu an jenen wundersamen Winterschlaf aller Wissenschaften erinnern, wo die Pädagogik auch in andern Kreisen auf dem Siechbette lag? Die alte claffische Schulverfassung erhielt sich zwar noch lange, anfänglich sogar vom alten Geiste noch durchweht, später vom todten Buchstaben beherrscht, und schrumpfte endlich zu der so oft geschilderten, gegeiselten und manchem Leser vielleicht noch aus eigener Jugenderinnerung her gekannten — Chederwirthschaft zusammen, worauf hier nicht weiter einzugehen ist. Eben so wenig ist es uns gegönnt, die Reformationsgeschichte der Judenschule, wie sie durch den zweiten Moses in Berlin vermittelt wurde, zu beleuchten, und wir müssen uns beschränken, blos die Resultate der letzter» für uns Juden in Oesterreich noch in’8 Auge zu fassen. Ja, wir ziehen den Kreis noch enger, und betrachten nur die Erfolge des Religionsunterrichtes, der bei uns durch den äußerst wohlthätigen Schulzwang allen Schichten der Bevölkerung in großartig angelegtem Maßstabe ertheilt wird. In Oesterreich machte die erlauchte Kaiserin Maria Theresia einer lächerlichen, unter dem Namen Literalmethode bekannten Lehrweise ein Ende, und ließ durch Mesmer und den Abt Felbinger eine gesunde Schulordnung anbahnen. Kaiser Joseph II. setzte das Werk fort, und löste dabei manchen gordischen Knoten in der Manier des Mazedonischen Alexanders. Hierdurch fanden Sendlinge des Berliner Culturvereines auch nach Oesterreich ihren Weg, um die Juden in die allgemeine Strömung mit hinein zu ziehen. Den Kampf gegen das Chederunwesen eröffnete Hartwig Wessely durch seine »Worte des Friedens und der Wahrheit« — ein Mann, den Kenntniß des Judenthums, innige Frömmigkeit, ein kindersreundlich Gemüth