Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 85)
- Language
- German
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41 Kutten und Bäffchen tragen, oder vor Gottesgelahrtheit nicht lesen noch schreiben dürften, wie man's ehedem geglaubt. Aber, so gewiß als es in der Wirklichkeit keine allgemeine, sondern eine nach der Stämme Erb- und Eigenthümlichkeiten geschiedene Menschheit gibt; so gewiß ist eine Schule, die nicht in dem Boden der Bolksthümlichkeit, gleichsam im Racencharacter wurzelt — eine Unnatur. Was ist jenes Bewußtsein der »Ahnentugend« (Sechuth- Aboth), das bei uns in Liedern und Gebeten so häufig zum Ausdrucke kommt, anderes als das Gefühl von einem angestammten Gepräge, dessen Spuren bis zu den ersten Anfängen hinausleiten, und bei den Urahnen, weil unter ursprünglichem Lebensverhältniffen, auch am deutlichsten und ungetrübtesten hervortretcn konnte? — Welches dieser jüdische Racencharacter sei? Ein sinnend Wesen, das nie in selbstvergessene Beschaulichkeit ausartet, eine Innigkeit des Gottbewußtseins, die aber doch dem Leben und der Wirklichkeit nicht entfremdet, eine Selbstständigkeit des Denkens, hie selbstda nicht zu verkennen ist, wo sie in ihrer Ausschreitung, im Zerrbilde vordringlicher Anmaßung (wie das leider vorkommt) erscheint, eine Nüchternheit des Geistes, der sich der naiven Befangenheit stets zu entwinden wußte, und der den Heiden als »Götterverachtung« erschien, (ckuäsa gens contumelia numinum insiguis.) Das ist der Geist, den die Judenschule zu wahren hat, wenn sie ihrem Berufe gemäß zunächst Religionsschule sein soll. Doch lernen wir nun den umgekehrten Satz verstehen, daß die erste Religionsschule der Welt nur eine Judenschule sein konnte. Denn eine Schule muß erstlich ihre Sätze klar und bar auf« Bret hinzählen können, das Heidenthum aber war zum großen Theile nur Ergriffenheit des Gemüthes, mehr allgemeine religiöse Stimmung, als Bekenntniß. Ihr sehet jedoch ein, daß in Stimmungen und Gefühlen schwer Lecnon geben ist, so sehr manche Religionslehrer noch heut zu Tage meinen, daß ein Bis-