Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 399)
- Language
- German
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360 »Dann gehe ich erst recht unter das Fuhrwesen,« sprach der Soldat mit kaum vernehmbarer Stimme. In der Aufregung, die diese Unterredung über die Bäuerin gebracht hatte, übersah und überhörte sie vielmehr, daß Zoffef zu viel gesagt hatte, um noch mißverstanden zu werden. »Du sagst das nur, um mir nicht wehe zu thun,« rief sie wieder, in der die fürchtende Mutter vollständig die Obergewalt eingenommen hatte. »Du weißt, daß mir das Mädchen ans Herz gewachsen ist, und daß ich sie nicht gerne so bald verlieren möchte. Aber deiner Mutter kannst Du aufs Wort glauben: Wenn es Dir nicht recht ist, daß Mosel länger im Hause bleibt, so schreibe ich gleich morgen an Hanaele Ehrenseld. Sie wird es mir schon verzeihen, und eine Ausrede ist bald gesunden. Ich kann ja doch nicht den eigenen Sohn fortziehen lassen, und eine Fremde dafür behalten?« Der Soldat hielt seinen Kopf tief gesenkt, um seine Lippen spielte jedoch ein Zug von Trotz, der gewaltig dasjenige zurückhielt, was doch nicht länger verschwiegen werden konnte. »Dringe nicht länger in mich, Mutter,« sagte er endlich finster, »ich kann cs Dir doch nicht sagen. Ein Soldat muß fasten können, aber auch schweigen. Und am besten wäre es doch, wenn ich mit meinen Cameraden hätte sortkönnen!« Jetzt kam über das Wesen der Bäuerin ein solcher Grimm, wie er nur aus den Tiefen eines tief beleidigten Ge:nüthes hervorzuquellen vermag. »So geh'!« rief sie mit vor Erregtheit zuckenden Lippen, »geh' wieder zu deinem Feldwebel, wenn er Dir lieber ist als Water und Mutter. Geh' meinetwegen zur Cavallerie oder zum Fuhrwesen — ich werde Dir kein nasses Auge nachweinen. Läßt in sich Hineinreden von einer Mutter wie in ein Faß, und wie ein hohles Faß bleibt er stumm! Meinst Du denn, Du bist noch der Soldat,