Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 349 (sequence 388)
- Language
- German
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349 »Wirst Du gleich schweigen und kein Wort weicer reden?« rief Rebb Feiwel; »Du hast mich ja gar nicht verstanden, Du Narrele! Gerad' weil Du Alles so fein und geschickt anstellst als wärst Du dein Leben lang auf einem Bauernhof gewesen, gerad' darum kommst Du mir wie eine Prinzessele vor.« »Meinen Sie, Rebb Feiwel?« sagte Mosel und erröthete stark vor Verlegenheit. »Weißt Du was, Mosel Leben,« begann der alte Bauer wieder in seiner Redseligkeit, die heute stärker über ihn gekommen war, als sonst. »Wie ich noch ein Kind war, da hat mir meine Babe (mit ihr sei der Friede) am Sabbathabend, so in der Zeit, wenn man noch kein Licht anzünden durfte, manche Geschichte erzählt, an die ich mich noch jetzt erinnere, wie wenn es erst gestern am Abend geschehen war'. Manche von diesen Geschichten waren Dir so schrecklich und haarsträubend, daß mein Vater einmal mit einer großen Ruthe gekommen ist, weil ich in derselbigen Nacht vor lauter Furcht nicht habe einschlafen können. Manche wieder war lustig und so schön, daß mir noch heutzutage das Herz davon aufgeht. Zum Beispiel von dem Prinzessel mit den drei Erbsen.« Mosel wurde erst jetzt recht aufmerksam; sie hielt in der Fütterung ihrer beflügelten Unterthanen inne, und richtete ihre großen Augen erwartungsvoll auf den alten Bauer. »Das Prinzessele nämlich,« fuhr Rebb Feiwel fort, »hat durchaus von keinem Mann hören wollen, nicht init Güte, nicht mit Gewalt hat man sie dazu bereden können. Da hat sich ihr Vater, der ein König war, gedacht: Wart) ich willDich auszahlen! Sind Dir die schönsten Prinzen nicht recht, so wirst Du Dir Einen nehmen müssen, der etwas weniger ist, als ein Prinz, meinetwegen einen Bauer.« Darauf hat er sie fortgetrieben, und sie ist fort. Blutigwund hat sie sich die Füße gegangen, denn sie war das nicht gewohnt, bis sie in der Nacht, todmüd vor einem Hause in einem