Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 348 (sequence 387)
- Language
- German
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348 gm Gebersprache Zivils ihm gewährt war, so konnte er sich doch niemals des Ausrufs enthalten: »S'Goltswillkumm, Prinzessele!« Rosel erblickte übrigens in dieser Benennung keine Beleidigung, was ihr beim Eintritte in dieses Haus allerdings als solche geschienen hatte. Das klang ihr jetzt jedesmal wie eine neue Bestätigung, daß sie auf dem Bauernhöfe wirklich willkommen und nicht blvs gut gelitten war. Dennoch mochten in dem Bauer manchmal Bedenken zweifelnder Natur aufsteigen, ob er auch Recht daran thue, und ob das Mädchen am Ende nicht doch beleidigt werden könnte. Rosel stand einmal mitten im Hofe und fütterte die junge Hühner- und Gänsewelt des Hofes. Da kam der alte Bauer, nachdem er dem Thun des Mädchens lange zugesehen hatte, breitspurig dahergeschritten, daß die zaghaften Bögelchen, die ihn nur wenig kannten, erschreckt auseinander fuhren, und das eine hier, das andere dort eine Zuflucht suchte. »Um Gottes willen,« schrie Rosel, »was stellen Sie an, Rcbb Feiwel?!« »Ich Hab' Dir nur sagen wollen, Rosel Leben,« meinte dieser mit seltsam bewegter Stimme, »warnm ich Dich immer Prinzessele heiß', und niemals anders.« »Ich sehe darin nichts Schlechtes,« sagte Rosel, die trotz der Störung ihres Lieblingsgeschästes lächeln mußte. Sie rief hierauf die Hühner noch einmal an fich, die denn auch auf ihren Ruf sich allmälig wieder um sie sammelten. »Sollst Du leben und gesund sein,« rief der alte Bauer, »Du magst anfangen und Dich stellen, wie Du willst, Du bist doch ein Prinzessele.« »Kann ich dafür, wenn ich so ungeschickt bin? und wenn die schlechteste Magd mehr kann, als ich?« entgegnete Rosel mit einem fast traurigen Ton.