Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 350 (sequence 389)
- Language
- German
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350 großen Walde angekommen ist. »Macht's mir auf,« hat sie geschrieen, »machte mir auf, ich bin eine Prinzessin.« »Eine Prinzessin bist Du?« sagt eine Frau zu ihr, die ihr die Thür aufgemacht hat, »wart', ich will Dich probiren.« D'rauf nimmt sie alles Bett, was sie im Hause hat, und schichtet es auf, daß es bis an die Decke reicht, ganz zu unterst legt sie aber drei Erbsen, und nun sagt sie zu ihr: »Jetzt leg' Dich schlafen.« Früh Morgens kommt sie zu ihr, da sitzt das Priuzeffele auf dem Bett und weint bitterlich. »Was weinst Du?« fragte sie die Frau, die war übrigens selbst eine Königin. »Wie soll ich nicht weinen,« entgegnet das Prinzessele, »ich bin da die ganze Nacht auf lauter Steinen gelegen, mein ganzer Körper ist wund davon.« Denk' Dir nur, sie hat die drei kleinen Erbsen für Steine gehalten. Drauf sagte die Frau: »Du hast mich nicht belogen, jetzt seh' ich, daß Du eine wirkliche Prinzessin bist.« Mosel lachte hell auf. »llnd so eine Prinzessin bin ich auch, Rebb Feiwel?« rief sie lustig. »Gewesen,« sagte der Bauer beinahe ernst. »Bist Du mir nicht vom Wagen heruntergesprungen und fortgelausen, weil Du geglaubt hast, Du sitzest auf einem Sack Erdäpfel? Ich schwör' Dir's aber noch jetzt zu, Mosel Leben, Du bist auf lauter Roßhaar gesessen, wie der verstorbene Herr Pfarrer, der sich auf einen guten Sitz etwas verstanden hat.« »Und jetzt bin ich also kein Prinzeffel mehr?« meinte Mosel. »Wart', ich bin noch nicht fertig,« sagte der alte Bauer mit einem gewissen schalkhaften Lächeln zwischen seinen beiden Mundwinkeln, »meinst Du denn, jene Prinzessin hat gar nichts mehr zu erleiden gehabt? Das war zwischen ihrem Vater und der Frau, die sie ausgenommen hatte, so verabredet worden, daß sie sollte nämlich die Gänse hüten, die Hühner füttern, die Kühe melken, Gras