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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858) · p. Seite 339

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 339 (sequence 378)
Language
German
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339 Baume sage: Da auf der Eiche hoch oben zu sitzen, muß etwas Schönes sein! hat er mich ausgelacht, und als ich ihn fragte, warum er so lache, meint er: Rosa, das ist ja eine Buche! »Liebe Mutter Leben bis zu hundert Jahren! ich will Dir etwas vertrauen, Du darfft es aber nicht weiter sagen. Ich habe Herrn Julius Arnsteiner, der doch gewiß ein sehr geschickter Mensch ist, im Verdacht, daß er selber nicht weiß, wes eine Buche oder eine Eiche ist. Woher soll er das auch wissen? Ich glaube, seit den fünfzig Jahren, die Herr Julius Arnsteiner auf der Welt ist, hat er nicht Zeit gehabt, sich eine Blume oder ein grünes Feld anzusehen. Dem Feld kann er ja keine Lecrionen geben, jeder Vogel auf dem Baum möcht' ihn auslachen! »Ueberhaupt, liebe Mutter, haben die Leute in der »Gaffe« gar keinen Begriff davon, was so ein Bauer alles wissen muß; es geht in manchen Kopf nicht hinein. Und merkwürdig tji’8, wie die Leute nichts vergessen, was sie einmal gelernt haben. BonRebb Feiwel nimmt mich das nicht Wunder, der ist ein alter Bauer, aber Joffes ist durch fünf Jahre unter den Soldaten gewesen, und weiß heut zu Tage noch Alles mit Namen zu nennen, was da blüht und wächst, was fliegt und kriecht in Feld und Garten. Er hat einen Feldwebel gehabt, von dem erzählt er immer, und im ungarischen Kriege sind ihm zwei Finger abgeschossen worden, nämlich Joffes, nicht dem Feldwebel. Gott der Lebendige weiß wo sie liegen. Ich habe das lange nicht gewußt, daß sie ihm fehlen, es ist mir wie ein Stich durchs Herz gegangen, wie ich es vor einigen Tagen bemerkt habe. Da erst hat er mir erzählt, daß er Soldat gewesen, und wie es ihm in derSchlacht ergangen. »Joffes,« sagte ich zu ihm, »das muß Ihnen ja sehr wehe gethan haben; nicht wahr, Sie haben geweint?« — »Ein Soldat weint nicht,« sagte er darauf, und dann Hab' ich die Finger für meinen Kaiser verloren! Hat der befohlen, daß mein Vater Haus und Hof zu eigen 22 *

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