Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 326 (sequence 367)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2609281-2609288--3588-2610933- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
326 Eitel warf einen dankbaren Blick auf den Sohn, den dieser jedoch nicht bemerkte. »Sic wird schon anders werden,« sagte sie mit tiefster lieberzeugung. »Man wird nicht auf einmal eine Bäuerin!« »Und zum Essen gibst Du ihr gar nichts?« fragte Feiwel. »Laß sic lieber schlafen,« meinte die Bäuerin kurz, »das thut ihr besser, als alles Essen.« »Essen muß der Mensch, das ist meine Meinung,« sagte der Bauer mir großer Ruhe. Weiter war von dem Mädchen nicht mehr die Rede, dafür sprach Nebb Feiwel von den Vorbereitungen zum morgigen Wochenmarkt. Rosa Ehrenfeld schlief indessen auch in den Nachmittag hinein; der Abend war gekommen, die Nacht hereingebrochen, und nichts deutete an, daß sie aus ihrem Schlummer erwacht war. In ihrem Stübchen regte sich nichts, so oft Eitel auch nachsah. Aber nicht der Bäuerin war die schwere Sorge wegen dieses Allen unerklärlichenZustandes an der Stirne zu lesen; sie hatte aufjedeFrage stets das allbereite: »Lass' sie lieber schlafen« zur Antwort. Jemand strich unausgesetzt um Eitel herum, und schien etwas auf der Seele zu tragen, für das er keinen Ausdruck finden konnre. Es war Jossef. Als Eitel einmal wieder an der Thür lauschte, ob sich noch nichts in dem Stübchen rege, sagte er mit einem Male: »Sollt' ich denn nicht um den Doctor gehen, Mutter?« »Warum?« »Sie will ja gar nicht aufwachen!« rief er überlaut. »Mir kommt das zu besonders vor.« »Meinst Du?« fragte Eitel und sah den Sohn dabei ängstlich forschend an.