Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 368)
- Language
- German
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327 » Wie kann ein Mensch hintereinander so lange schlafen, ohne krank zu sein? Ich möcht' um den Doctor.« »Eine Stund' weit gehen!« rief die Bäuerin abwehrend. »Nein, nein,« setzte sie nach einerWeile wie beruhigt hinzu, »lass' sie lieber schlafen, Schlaf ist der beste Doctor.« Trotzdem ging jetzt die Bäuerin mit dem festen Willen an die Thür, um dem unnatürlichen Zustande ein Ende zu machen. Sie drückte stärker an die Klinke und trat ein. Da saß Rosa aufrecht im Bette, den Kopf in die beiden Hände gestützt, als wäre sie gerade aus dem Schlummer erwacht. Freudigen Tones ries Eitel: »Nun, wie geht's Dir, Rosel Leben? Dein lang Schlafen hat mir schon Sorgen gemacht.« Das Mädchen richtete langsam ihrHaupt aus und blickte mit verwunderten Augen um sich. »Hab' ich denn so lange geschlafen?« fragte sie mit gezogenen Lauten. »Mehr als vierundzwanzig Stunden, mein Kind,« sagte Eitel, »und jetzt ist wieder Nacht.« »Ich bin noch schläfrig,« sagte Rosel nach einer Weile und gähnte. »WillstDu denn gar nichts essen?« fragte dieBäuerin, »Du wirst Dich ja auf den Tod abmatten. Es ist ja kein Jom Kippur, daß Du mit Gewalt fasten willst?« »Essen?« wiederholte gedehnt Rosel, dann nickte sie fast unsichtbar mit dem Kopfe. Die wackere Bäuerin war darauf bereits gefaßt. Ohne langes Besinnen eilte sie in hie Küche hinaus und holte von dem warm gehaltenen Herde die Speisen herbei, die sie für das Erwachen Rosels aufbewahrt hatte. Es waren, nach Gitels Meinung, Leckergerüchte, wie sie auf einer Grafentafel sich nicht zu schämen brauchten, und sie hatte sich in dieser Ueberzeugung auch nicht getäuscht.