Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 281)
- Language
- German
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240 Realschüler von den betreffenden Wiener Schulbehörden getroffen wurden. Wir sind wohl nicht allzu sanguinisch, wenn wir in diesen verschiedenen Thatsachen eine Anbahnung zur bessern Gestaltung der Rechtszustände der Juden in Oesterreich, und zu ihrer diessäliigen Gleichstellung mit jenen ihrer Glaubensgenossen in den übrigen europäischen Staaten erblicken. Auch gesellen sich noch andere Rücksichten hinzu. Wenn es kaum ein Land, ja kaum ein Ländchen mehr gibt, in welchem die Juden vom Grundbesitz ausgeschlossen wären, so treten wohl nirgends mehr als in Oesterreich Gründe für die Aushebung solcher Ausschließungsnormen hervor, weil sowohl die Bodencultur, als der von dem Besitzrecht unzertrennliche Realcredit gar sehr der verstärkten Zuflüsse an Geldwie an Geisteskräften bedarf. Gleiches ist in letzterer Beziehung auf Staatsanstellungen anzuwenden. Die beschränkte, ja sagen wir gleich bis zur Noth gehende Lage der Beamten in Oesterreich, hat auch Noth an Beamten erzeugt, während der edle Sinn vieler strebsamer Jünglinge der israelitischen Confession dahin geht, eine Bahn der Ehre, sei sie auch mit Dornen übersäet, zu betreten. Daß Uebelstände daraus erwachsen, wenn schlecht bebaute Gründe in fleißige, intelligente Hände übergehen, und wenn fähige Köpfe, wenn von Pflicht- und Ehrgefühl beseelte Oesterreicher in die Cvncurrenz gezogen werden; das vermögen wir, die wir wissen, daß auch derOesierreicher jüdischer Confession ein Vaterland hat, das er liebt, nicht einzusehen. Heutzutage bildet Gewissensfreiheit — und nur vollständige Emancipation ist eine solche — ein Postulat der europäischen Civilisalion, und der glorreiche Neubau des blühenden österreichischen Einheitsstaates bürgt dafür, daß er nichtin dieExclusivität eines traurigen Spaniens verfallen werde. Belebender ist noch eine andereHoffnung für die österreichischen Juden. Die Gnadensonne ihres kaiserlichen Herrn drang bis in den Kerker des Hochverräthers: sie wird