Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 277)
- Language
- German
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236 taschs zog und dem erstaunten Polizeimeister übergab. Augenblicklich fuhr der letztere nach Peterhof, um die kaiserliche Unterschrift verificiren zu lassen, und fand Alles in Ordnung. Der Kaiser aber ließ den Juden zu sich bescheiden, und da er erfuhr, daß er nicht mit Winterkleidern auf die Reise ausgestattet sei, befahl er, den Mann mit Pelzrock und Pelzstiefeln zu versehen, an Ort und Stelle aber werde er alle zur Revision seines Prozesses getroffenen Anordnungen vorsinden. *) Während wir diese Blätter der Presse übergeben, kommt uns die Nachricht zu, daß Kaiser Alexander dem Warschauer Banguier Anton Frenkel in Erwägung des musterhaften Eifers, den er bei Ausführung ihm von der Regierung übertragener Aufträge von besonderer Wichtigkeit an den Tag gelegt hat, die auf seineNachkommen vererbliche Baronswürde des russischen Reiches verliehen hat: Frenkel ist der erste Jsraelite, welcher einen russischen Adelstitel erhalten hat. Das. Beispiel des Hofes bleibt nicht ohne Einfluß auf die Spitzen der Gesellschaft. So hat in Warschau der Fürst-Statthalter mehreren jüdischen Banquiers seine Salons geöffnet. Der menschenfreundlichen Gesinnung des Grafen Kisseleff haben wir bereits erwähnt.. Gleicher höchst wohlwollender Gesinnung hatten sich die Juden Odessas von Seite des dortigen Statthalters Fürsten Woronzoff zu erfreuen. Nach seinem im vorigen Jahre erfolgten Hinscheiden veranstalteten die dortigen Juden einen seierlichenTrauergottesdienst, wobei eine gelungene Leichenrede in russischer Sprache vorgetcagen wurde. Die Fürstin, welche der Feierlichkeit beiwohnte, zeigte sich sehr erbaut, und übersandte 400 Silberrubel zur Ber- *) Wir verdanken die Kenntniß dieses menschenfreundlichen Zuges einer mündlichen Mittheilung, welcher wir allen Glauben zn schenken Ursache haben.