Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 276)
- Language
- German
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2.35 stellung gesetzt waren, und stellt sie in Beziehung aus diese Strafen den obigenllnterthanengleich. Ein anderer Erlaß vom 7. März 1857 bestimmt, daß die Juden in Sibirien, welche nicht exilirte Colonisten sind, mit ihren Familien in die Classe der Kaufleute ausgenommen werden. Im Gewerbebetriebe sind die Juden in Rußland unbeschränkt; auch Avotheken zu halten ist ihnen unverwehrt, wie denn in Odessa eine jüdische Apotheke zu den accreditirtesten gehört. Jüdische Lieferanten haben sich im letzten Kriege um die Verpflegung derKranken sehr verdient gemacht, und einem derselben wurde der St. Annen-Orden dafür zu Theil. Für die nach Moskau reisenden Juden wurden liberale Verfügungen erlassen, und die früheren Beschränkungen hinsichtlich ihres zeitweiligen Aufenthalts daselbst aufgehoben. Den in Warschau bestehenden Paskewitschfond zurAusstattung jüdischerMädchen hatKaiserAlexandermit300,000 Silberrubel dotirt, und ebensoviel für die jüdischenArmen inWarschau bestimmt. Von Kaiser Alexanders Herzensgüte mag noch folgender Zug Zeugniß geben; Gegen einen im südlichen Rußland auf einer Staatsdomäne wohnhaften Juden war in Folge einer falschen Denunciation ein fiscalischer Prozeß eingeleitet worden, der ihn mit Vermögens- und Freiheitsstrafe bedrohte. Eingedenk des bekannten Spruchs: »Gott ist hoch, und der Czar ist weit,« begab sich der Gekränkte nach Petersburg, den Augenblick ersehend, in welchem der Kaiser nach abgehaltener Revue Bittschriften von Jedermann empfing. Es gelang ihm hiebei nicht nur sein Gesuch zu überreichen, sondern auch dem Kaiser vorzustellen, daß nur ein unverweilter kaiserlicher Befehl ihn vor augenblicklicher Ausweisung zu schützen vermöge. Der gütigeKaiser schrieb einige Bleistiftzeilen auf ein Papier, das er dem Bittenden übergab. Dieser blieb noch einige Tage in Petersburg, wurde hiernach, wie er erwartet hatte, vorgeladen, und sollte sich zu einer sofortigenTransportirung anschicken, als er den ihm vom Kaiser überreichten Zettel aus derWesten-