Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 271)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2609281-2609288--3492-2610837- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
230 sind, cs gewagt haben, den achtzehnten August mit feierlichem Gottesdienste und mit Illumination zu begehen. Dagegen besorgt man, daß die Organisirungscommiffäre schwerlich mit bestimmten Instructionen in Betreff der Juden versehen sind, und daß sie in judenfreundlichen Gesinnungen allein kaum ein hinreichendes Gegengewicht finden werden, um sich ihren Gegnern überlegen zu zeigen. Und doch sind die Juden auch hier eher besser wie schlechter, als das, wozu beschränkende Gesetze sie haben machen müssen, und könnten in so manchen bürgerlichen und häuslichen Tugenden als Muster gelten. Der Staat besonders würde sehr Unrecht haben, mit dem Krämergeiste und Brotneid Chorus gegen sie zu machen, da sie nach dem Bauernstände seine nützlichsten und emsigsten Glieder sind. Als Banquiers undKauflcute vermitteln sie fast ausschließlich den ganzen Handel mit dem Auslande, zugleich aber repräsentiren sie zum großen Theile die Gewerbsthätigkeit des Landes, da sie mehr als irgendwo bei allen Handwerken ohne Ausnahme, bei den schwersten wie bei den leichtesten, in überwiegender Zahl, Geschicklichkeit und Intelligenz vertreten sind. Am 18/»i- März 1857 hat eine Deputation der moldau-wallachischen Israeliten dem Fürsten Kaimakam ein Bittgesuch um Gleichstellung in allen Rechten überreicht, und ist von demselben auf das Wohlwollendste empfangen worden. *) Zugleich wendeten *) Folgender Zug des Fürsten Kaimakam ist charakteristisch. Während des jüngsten Osterfestes trug ein Jude seine Ma;oth über die Straße. Ein Junge, der gerade aus einem Bäckerladen trat, warf Brot auf des Juden Mazoth, wodurch sie für diesen unbrauchbar wurden. Die Umstehenden lachten mit dem Knaben den um sein Osterbrot gekommenen Israeliten aus. Da ging der Fürst Kaimakam gerade vorüber. Als er hörte, was geschehen, sagte er zu dem Jungen: »Wäre es dir recht, wenn man. dir in der Fastenzeit deine Bohnen mit Milch begöße?« —