Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 255)
- Language
- German
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214 tation, in den damals wenig verbreiteten hebräischen Jahrbüchern Liüura ha-Ittim nach und nach erschienen, hat sich Rapoport das Verdienst erwerben, der Begründer der Wissenschaft des Judenthums zu sein. Seine Forschungen auf diesem Felde feierten ausgezeichnete geistverwandte Männer, wie Zunz ti. A. an, ähnliche Bahnen zu betreten, was auch dieser Gelehrte — in der Vorrede seines ersten und gediegensten Werkes »die gotttesdienstlichen Vorträge derJuden« offen und dankbar anerkennt. — »Die ungeheure jüdische Volksliteratur — schreibt ein berühmter christlicherTheolog und Orientalist *) — mit ihren geheimen Schachten, mit ihren chaotischen Massen, mit ihren glanzreichen Dämmerungen ist für Rapoport ein heimisches Gebiet, auf dem er sich durch eisernen Fleiß ,ungeachtet aller Hindernisse seiner äußern Lage, bekannt gemacht hat. Kalir war ein Räthsel, bis es Rapoport gelöst hat; die sechs Biographien in Likurs ha-Ittim sind Diamantgruben für den Geschichtschreiber jüdischer Literatur.« Aber nicht allein aus dem wissenschaftlichen Gebiete der rabbinisch-historischen Kritik versuchte Rapoport eine neue Bahn zu brechen — eine Bahn, die seit dem berühmten R. Asaria de-Roffi verödet und nicht mehr betreten wurde. Sein Streben war auch dahin gerichtet, den Uebergriffen einer freisinnigen Jugend, die, besonders nach dem oben beregten Streich in Lemberg, mit der Schale mittelalterlicher Saßtmgen auch den religiösen Kern wegzuwerfen im Begriffe war, durch Beispiel und Belehrung nach Kräften zu steuern. Er leuchtete nicht blos durch seine wissenschaftliche Richtung der aufblühenden Intelligenz als Muster voran, sondern auch durch seine Handlungsweise. Sein Leben lehrte. JnAnsehung der Religion scheint er Sokrates' Grundsätze sich *) Delitzsch: Zur Geschichte der jüdischen Poesie S. 119°