Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 191)
- Language
- German
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150 Was aber die musikalische Befähigung betrifft, die bei unseren Rabbinern viel seltener, als bei christlichen Geistlichen, ja säst gar nicht bei ihnen zu treffen, so ist sie bei den gegenwärtigen Verhältnissen der Synagoge kaum zu entbehren. Das Ackerland des Rabbinen ist das religiöse, das synagogale Gebiet, ihm liegt die Verpflichtung ob, er hat es mit heiligem Eide übernommen, nach Kräften für Weckung und Belebung des religiösen Lebens zu sorgen. In der Synagoge verweltlichte Lieder, antireligiösen Gesang Boden und Wurzel fassen zu lassen (gilt gleich auf welche Weise) heißt seinen eigenen Acker mit Unkraut besäen, den schönsten Garten in ein Dorn- und Distelfeld umwandcln. Diele, die meisten Rabbinen, haben in der That den lebhaftesten Wunsch für Entfernung aller Entstellungen und Verstümmelungen unseres Synagogengesanges , allein sie fühlen sich unfähig, etwas Positives für die Sache zu thun, da sie selbst nichts von Musik verstehen, und nicht befähigt find, einen Chor zu leiten. Den christlichen Geistlichen wurde es neuerlich zurPflicht gemacht, sich einige musikalische Kenntnisse zu erwerben, könnten nun nicht auch unsere Rabbinen, die doch meist Gymnasien und Universität besuchen, wo ihnen so viel-! fache Gelegenheit geboten ist, Gesangunterricht zu genießen, welchen zu erreichen sie noch ohnehin bei ihrer in derRegel langenCan-; didatur hinreichend Zeit und Muße haben, die Lücken ihrer Vorbil» düng in dieser Hinsicht auszufüllen? Daß die Pflege des Synagoj: gengesangs nicht gegen die Würde des Rabbiners verstößt, braucht s bei der Wahrnehmung, daß viele christliche Geistliche, die in diesem Punkte sehr heiklich zu sein scheinen, mit Eifer sich diesem Geschäfte unterziehen, nicht näher erwiesen zu werden. Versehen und versahen ja mehrere Rabbinen sogar an hohen Festtagen Vorbetcrdienst, und übten ja berühmte Gelehrte des Alterthums dieVorsängersunction in ihrem ganzen Umfange (man sehe mein: »derVorsängerdienst der Juden in seiner geschichtlichen Entwicklung,« Creuz-