Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 170)
- Language
- German
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129 von Baruch Spinoza weiß Niemand etwas in Holland. *) Keiner kennt das Haus, in dem er gelebt, Niemand weiß die Stätte, wo er begraben liegt. **) Wie dem aber immer auch sei, so erwecken die meisten dieser Namen Bilder einer entschwundenen Zeit — düster und traurig im schönen Lande des Südens, erfreulich und erhebend im unfreundlichen Norden. — »Laßt uns von hinnen ziehen!« so hatte es einst, wie Josephus erzählt, ***) ahnungsvoll in den Lüften gebraust, so hatte eine mächtige Stimme gerufen, als des Tempels Untergang nahe bevorstand; und diese Stimme war späterhin gar oft erschollen, wenn das Heiligste in Gefahr war — laßt uns von hinnen ziehen! Und sie zogen fort aus den reichen Fluren Castiliens, und der rauhe Norden nahm sie gastlich auf. Hier dursten sie Hütten und Häuser bauen. — Wenn man in Amsterdam am Sukkothfeste *) Spinoza. Spinosa, Espinosa sind bekanntlich die verschiedenen Schreibweisen eines nnd desselben Familiennamens. Wenn übrigens Voltaire in seinem diet. philosophique (art. Dieu) bemerkt, Spinoza habe nicht Benedict (Benoit), sondern Baruch geheißen, so scheint er nicht gewußt zu haben, daß Benedict nur das übersetzte Baruch ist, und daß überhaupt derartige Doppelnamen bei den Juden von jeher üblich waren. **) Auch V. Cousin in seiner »Voyage en Hollande« erzählt, daß er sich vergeblich bemüht habe, eine Spur von Spinoza's Dasein aufzufinden. Wenn aber der gelehrte Eklektiker bei dieser Gelegenheit sagt, der Grundgedanke des »jüdischen Sufi« sei gewesen: Vita 68t meditatio mortis, so müssen wir, ebenso gelegentlich , diesen lapsus calami berichtigen; Spinoza äußert sich gerade gegen diese bekannte Anschauungsweise: Homo liber de nulla re minus, quam de morte cogitat, et ejus sapientia non mortis, sed vitae meditatio est (Eth. IV. prop. 67). ***) (Bell. jud. VI., 5, 3). Aehnlich, nur mehr nach römischer Anschauung, TacituS bist. V. 13. Jahrb. f. Isr. 1858. 9