Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 171)
- Language
- German
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130 die Laubhütten sieht, die unbehelligt auf der Straße dicht vor den Häusern der Juden stehen, so gewinnt für den Beschauer dasWanderzelt hier noch eine andere Bedeutung; hier war es ja, wo statt des nomadischen Zeltes das feste, sichere Haus sich erhob. Unser guter Schudt *) mag in seiner Weise wohlRecht haben, wenn er sich gar sehr darüber ereifert, daß es so viele »Judentzer« — wie er die Judenfreunde nennt — in Holland gebe, daß die Juden dort so sehr viele Freiheiten genießen, daß sie nicht einmal einen Zudenhut **) oder sonst ein Abzeichen zu tragen brauchten, wie das doch in andern cioilisirten Staaten üblich war, ja, daß sogar die Gründung der portugiesischen Synagoge von den Bekennern eines andern Glaubens in lateinischen und holländischen Versen freudig begrüßt worden sei; wir erblicken darin nur ein schönes Zeichen der Humanität, und größeres Recht möchten wir einem holländischen Dichter der Neuzeit einräumen, wenn . er mit stolzem Selbstgefühle darauf hinweist, daß sein Vaterland es war, das den Verbannten und Verstoßenen aller Nationen einst Heimat und Obdach gewährte, daß dort es war, wo »der Spuck des Gewis- *) Jüd. Merkw. B. IV, c. 18. **) Der berühmte Judenhut hat ebenso viel Nnancirungen an Farbe und Gestalt aufzuweisen, wie nur je die Modehüte; es wäre allerdings auch unmöglich gewesen, alleJudenköpfe unter Einen Hut zu bringen Die Erinnerung daran lebt aber unsterblich fort in dem Namen des sächsischen Judengroschen, sowie der Judenkirsche, welche, ebenso wie das Impatiens noli me tangere, in manchen Gegenden von ihrer Gestalt »Judcnhut« heißt. Die naturgetreue Abbildung eines Judcnhuts findet sich, außer bei Schudt (B. III. x. 127), auch in dem »Gemälde des Sachsenrechts« (Kopp, Bilder und Schriften I. 93; II. 18 und 32). An letzterer Stelle ist es ein blauer Hut. Der indische Gott Krischna ist also nicht der einzige, dessen Haupt mit einem blauen Hute geschmückt war.