Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 168)
- Language
- German
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127 im Gebrauch gewesen zu sein; es sind meistens nur Patronymica oder geographische Benennungen nach dem Orte der Geburt. Der Stolz auf einen erlauchten Namen scheint namentlich dem modernen Bewußtsein ganz abhanden gekommen zu sein; ob übrigens der Stolz auf die Familie nicht bei all dem edlerer Art ist, als der Geldstolz, ist eine Frage, deren Beantwortung wir nicht wagen würden, selbst wenn sie wirklich hierher gehörte. Wir wollten nur davon reden, wie bei den romanischen Juden sich oft ein und derselbe Name Generationen hindurch sortpflanzt, und wie sich an einen solchen zuweilen bedeutende — meist literarhistorische—Erinnerungen knüpfen, von denen manchmal der bescheideneTräger selbst Nichts weiß. — Spanien aber insbesondere war von jeher das Land, in dem sich die verschiedensten Ragen durchkreuzten, die heterogensten Elemente vermischten; diese Mischung ward noch bedeutend verstärkt durch den Uebertritt vieler Juden zum Christenthume, deren Beförderung zu hohen Stellen und Verschwägerung mit adeligen Familien. Und so umgibt auch die Namen der spanischen Juden ein eigenthümlicher westöstlicher Glanz, ein — man möchte sagen — historisch-romantischer Dust. Es sind oft Namen, die nicht nur innerhalb des Judenthums, sondern auch in der Geschichte überhaupt Berühmtheit erlangt haben. Vor wenigen Jahren erzählte man sich in Amsterdam, ein junger Mann, Portugiese, habe am Hofe zu Haag ein Concert gegeben; weniger durch den Klang seiner Violine, als durch den Klang seines Namens, habe er die Aufmerksamkeit eines anwesenden hochgestellten Spaniers — ich glaube, es war der spanische Gesandre — aus sich gezogen, und auch späterhin sich dessen Proals die Montecchi und Capuletti, oder die Grünen und die Blauen.