Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 167)
- Language
- German
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126 erhöht noch den angenehmen Eindruck des Ganzen. Die portugiesische Synagoge bildet überhaupt einen sehr bemerklichen Gegensatz zu den übrigen holländischen Synagogen, in welchenAlles nach alter Weise vor sich geht; die einzige Conceffion an dieNcuzeit dürfte bei letzteren nur darin bestehen, daß von Zeit zu Zeit holländische Predigten gehalten werden, und zwar nicht nur bei religiösen, sondern auch bei historisch-nationalen Anlässen, wie z.B. am Jahrestage der Schlacht von Waterloo. Aber auch die spanische Exclusivität — um nicht zu sagen Etiquette — hat sich in der portugiesischen Synagoge erhalten. Einem Nichtportugiesen steht natürlich der Eintritt frei, aber einen »Staat,« einen eigenen Betplatz, kann er nicht besitzen. Das verbietet der altspanische Adelsstolz, der von jeher — und früher mehr als jetzt — die portugiesischen Gemeinden von den deutschen ferne hielt. Daß in früheren Jahrhunderten bei den Juden überhaupt das genealogische Moment, die Herkunft (Jichus) von hoher Wichtigkeit war, lag in der Natur der Dinge. Das traditionelle Bewußtsein der Abstammung scheint sich aber am Entschiedensten bei den spanischen Juden behauptet zu haben. Eines der vielen Dinge, welche die Juden romanischer Zunge von den deutschen Juden unterscheiden, dürsten wohl die Familiennamen sein. Eigentliche Familiennamm — von denen neueren Ursprunges ganz abgesehen — scheinen, mit wenig Ausnahmen, *) bei den deutschen Juden nie recht *) Viele Frankfurter Familiennamen sind den ehemaligen Emblemen der Häuser entnommen. Auch erinnern wir uns, einmal einen Stammbaum der Kannischen Familie gesehen zu haben. Letztere rivalisirte in früheren Zeiten mit der gleich großen Kulpischen. »Kannisch oder Kultisch" war das Losungswort zweier Parteien, die allerdings weniger berühmt geworden sind,