Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 152)
- Language
- German
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schon öfter aus diesen Unfug aufmerksam gemacht hat — es bleibt dabei. Holland ist wegen seiner viele» wohlthätigen Anstalten berühmt, nicht minder bekannt ist der Wohlthätigkeitssinn derJudim, aber trotz oder gerade in Folge dieser Liefdaadigheid gibt es vielleicht nirgends so viele Arme, die zu dem was man verschämte Arme nennt, den diametralsten Gegensatz bilden, als eben in Amsterdam. Das ambulante Reibzündhölzchengeschäft bildet übrigens nur eine vorübergehende Phase. Mancher dieser jugendlichen Vagabunden wird über Nacht zum Tabulettkrämer; viele lernen ein ordentliches Handwerk; andere wiederum suchen sich auf die vielfältigste Weise der menschlichen Gesellschaft nützlich zu machen, und statt Eine Kunst zu erlernen, werden sie Tausendkünstler und Allerweltskerle. Für viele wird namentlich das Theater ein entsprechender Wirkungskreis für ihre Talente, wobei es natürlich von der Individualität abhängt, ob man blos stumme Rollen spielt, oder auch — wenigstens im Chore — mitsingt. Bei Einem Theater namentlich, dessen Director ein Jude ist, hat man öfter Gelegenheit, Leute, die man bei Tage in ganz anderer Gestalt aus den Straßen gesehen, Abends in glänzender Metamorphose aus der bunten Brererwelt zu sehen. Bei ihrer Anstelligkeit und schnell auffassender Lebendigkeit sind diese Leutchen zu Allem zu gebrauchen, ähnlich wie, nach Juvenal's Schilderung, die Gräculi in Rom; .... schoenobates, Instrio, rnagus, omnia novit — Graeculus esuriens in coelum jusseris ibit. Bei einer Oper,' die eine durchreisende italienische Gesellschaft aufführte, gewährte es mir besonderes Vergnügen, denselben jungen Mann, der mir am Morgen die Stiesel gewichst hatte, Abends auf der Bühne als bärtigen Kreuzritter wieder zu erblicken. Dabei dachte ich wieder an Apollo, nicht an den Sonnengott auf Rhodus, sondern an den Apollogott im Romanzero, dessen Vater Moses